Journalismus der etwas anderen Art …

… oder die Macht des Textes bei gleichzeitiger Ohnmacht des Schreibers

 

Schreiben bedeutet für mich lesen, lesen und noch mehr lesen. Erst dann strenge ich meinen Grips an und tippe die ersten Worte und Sätze in den Computer. Nicht alles, was ich so durch Lesen inhaliere, wird auch wieder verarbeitet. Oft habe ich auch Text-Ideen, welche mir ohne Anlass einfach so in den Kopf kommen und sich dort einnisten, aber schon der Beginn ist meist auch schon wieder das Ende. Flüchtige Gedanken und Ideen. Selbsterkannte psychische Labilität verhindert dann die Kreativität. Je intensiver ich aber in einen Beitrag eintauche, umso länger wird der Zeitpunkt bis zur Vollendung und Veröffentlichung. Kommt inzwischen aber auch daher, dass ich erkannt habe, dass ich mir keinen Druck mehr machen muss. Ich bin inzwischen wirklich mein eigener Chef und bestimme, wann etwas beendet ist. Während ich noch an diesem Beitrag hier bastele, hat der Eifelphilosoph ein fast ähnliches Thema (wenigstens in Ansätzen) schon veröffentlicht, ganz so, als wüsste er, was sich zur Zeit in meinem Kopf abspielt (oder auf meinem Computer? Bitte diese Bemerkung als Joke auffassen).

Der Computer und das Internet haben auch noch einen besonderen Vorteil gegenüber der ‘alten Zeit’; ich habe das Meiste immer direkt vor mir im Computer und muss nur die entsprechenden Seiten aufrufen und wenn möglich, als Gedächtnisstütze abspeichern. Die frühere Zettelwirtschaft hat ausgedient. Ich denke mit Grauen an die Zeit der Schreibmaschine zurück, obwohl sie im FIWUS einen besonderen Platz im Seitentitel erhalten hat. Meine Art zu tippen ist auch als Adlersystem bekannt: drüber fliegen und runter stürzen. Die Leute, welche es im Zehn-Finger-System und auch noch blind können, haben schon meine Bewunderung.

Auch Blogs sind Journale, meist verbunden mit Zeitgeschehen. Ganz zu Beginn der ersten Blogs wurden diese noch als eine Art Internet-Tage- oder Logbuch bezeichnet, daher auch der Name. Bekannt unter dem Begriff “Blogs” sind diese Seiten im Internet jetzt seit knapp zehn Jahren, den FIWUS gibt es inzwischen seit zwei Jahren. WIR in den Blogs sind meist Autodidakten, das Schreiben von Texten und Zusammenhängen haben wir uns eigenständig selbst beigebracht. Oft kann man auch sagen, wir ‘trauen’ uns einfach zu, mit diesen Texten an die Öffentlichkeit zu gehen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind die Themen und natürlich auch immer wieder mal Privates, aber auch Triviales und Banales, auch wenn es oft genug im Kontext des täglichen Geschehens aufgehen kann. Jede(r), der/die schreiben kann und dies auch für die Öffentlichkeit tut, darf sich Autor nennen, zu recht.

Ich persönlich nenne mich Schreiber von Texten, welche mehr oder auch weniger gelesen werden, da wir sie im Internet veröffentlichen. Die Mitautoren im FIWUS sehen dies ähnlich oder gleichermaßen so. Solch ein Zusammenschluss von Schreibern und Schreiberinnen ist im Internet nicht die Regel, eher eine Ausnahme; die Regel sind die sogenannten Einzelkämpfer. Viele Gemeinschaftsprojekte lösen sich quasi aber letztendlich von selbst auf, wenn die Beiträge nicht so fließen, wie man es sich als Initiator eigentlich vorstellt.

Über lange Zeit wurde diese Art des Schreibens und Veröffentlichens von den etablierten Medien erst milde belächelt, dann aber wurden WIR doch zum Teil plötzlich erst genommen und als Konkurrenz angesehen und jetzt werden wir plötzlich sogar bekämpft. Wir sind wohl ein Teil des Journalismus geworden, aber gar nicht so besonders gern gesehen. WIR haben es ja nicht gelernt. WIR erklären quasi den althergebrachten Journalismus zum Anachronismus, denn wir stellen die bisherigen Regeln für nicht mehr zeitgemäß in Frage.

Mehr als 90% der Schreiber im Internet können von der Arbeit, die es ja doch ist, niemals leben, denn wir schreiben kostenlos. Die meisten von uns wollen es auch gar nicht anders, Unabhängigkeit ist nämlich ein besonders wichtiges Gut für uns. Wir fordern keine Tantiemen. Uns macht schreiben zuerst einmal einfach nur Spaß. Anerkennung erleben wir meist nur durch unsere Besucherzahlen. Wenn sie kontinuierlich steigen, wissen WIR, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Noch mehr Anerkennung sind natürlich auch die Kommentare, welche die früheren Leserbriefe abgelöst haben.

Ob wir Meinungsbilder sind, kann ich so ohne weiteres nicht einfach beurteilen. Drei Schreiber zu einem Thema und sechs Meinungen dazu sind nicht gerade dazu angetan, den Begriff “Meinungsbilder” positiv aufzuwerten. Die Schubladen, in welche man gerne gesteckt wird, sind dann einfach doch zu viele, als dass wir als Schreiber da noch einen Überblick behalten können und dies auch eigentlich gar nicht wollen. Wenn ich nur mal die aktuelle Diskussion in jeglichen Medien verfolge, welche die Person “Bettina Wulff” betrifft, so bin ich eigentlich mehr am Kopfschütteln, als am Nachdenken, wie dämlich so ein Wirbel eigentlich ist. Manche Gedanken sind wie Minenfelder: Du gehst rein, ahnst nichts böses, doch dann merkst Du zu spät, dass da eine tödliche Gefahr lauert. Dieser Medien-Hype ist für mich ganz klar gesteuert, nur der/die sogenannte und/oder angenommene Steuermann oder auch –frau ist eigentlich nicht auszumachen. Man kann in zehn verschiedene Richtungen Denken und jede kann richtig oder falsch sein und deshalb habe ich für mich persönlich beschlossen, dieses Thema mit dieser kurzen Erwähnung einfach ab zu haken und nicht weiter meinen Kopf, aber auch nicht die Leserschaft weiter zu belasten.

Wir haben aber auch echte Feinde, wenn man zum Beispiel die Diskussion zum sogenannten Leistungsschutzrecht verfolgt, was zur Zeit jedenfalls vermehrt der Fall zu sein scheint und sich vehement in der Diskussion verschärft. Auch wenn immer wieder betont wird, dass nicht wir Blogger oder Internetschreiber das Ziel sind. Es geht nun mal schlicht und ergreifend um wirtschaftliche Interessen, wie so oft im Leben. Nicht WIR von der schreibenden Zunft haben diese Diskussion vom Zaun gebrochen, es sind in erster Linie wirklich GIERIGE, die den Hals nicht voll genug bekommen können. Das es auch anders geht und gehen muss, hat Jakob Augstein schon vor mehr als zwei Jahren geschrieben und noch einiges mehr, was den Journalismus aus heutiger Sicht garantiert in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

WIR schreiben nicht nur, um die täglichen 24 Stunden rum zu bekommen, wir schreiben für Leser und Leserinnen, welche sich ihr eigenes Bild von der Gegenwart machen wollen und die auch Anregungen für die Zukunft suchen. Dass dies mit der Zukunft nicht immer gelingt, hat aber oft genug mehrere Gründe, welche im Background des/der SchreiberInnen zu suchen ist und da kommt meist auch die entsprechende Bildung und Ausbildung zum tragen. Ich werde mich aber weiterhin bemühen, den FIWUS mit meinen Ansichten und Überlegungen zu bestücken und auch wenn die Beiträge zur Zeit etwas spärlicher ‘fließen’, so werden sie niemals ganz versiegen, denn dafür passiert auf der Welt einfach zu viel, als dass man alles unkommentiert nur zur Kenntnis nimmt.

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker

Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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