Ich mach mir keinen Kopf wegen meiner Rente

Langsam, langsam, dies sind eigentlich nicht meine Worte. Derjenige, der so etwas denken und auch sagen könnte bzw. kann, heißt Jürgen Rüttgers. Sein Gesabber im SPON habe ich mal etwas aufgedröselt, wobei das Aufdröseln schon von anderen sehr gekonnt geschehen ist und am Ende des Beitrags gewürdigt wird. (Dieser Beitrag im SPON sollte schon vorher gelesen werden, um meinen eigenen Beitrag zu verstehen).

Zum Autor

Jürgen Rüttgers war von 1994 bis 1998 Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und von 2005 bis 2010 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Er lehrt heute Politische Wissenschaft an der Universität Bonn und arbeitet als Rechtsanwalt.

Dozent an der Uni und Rechtsanwalt? Dieses sogenannte Multitasking im Beruf allein macht mir schon mal Angst, aber was solls. Seine nicht unbeträchtliche Pension aus seinen vorhergehenden Tätigkeiten sichern ihm auf jeden Fall einen angenehmen Lebensabend. Aber zuerst mal die Fakten zur Rente mit 67.

Alles zur Rente ab 67

So steigt das Rentenalter

Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können

Jahrgang
Alter*

1946
65

1947
65+1

1948
65+2

1949
65+3

1950
65+4

1951
65+5

1952
65+6

1953
65+7

1954
65+8

1955
65+9

1956
65+10

1957
65+11

1958
66+0

1959
66+2

1960
66+4

1961
66+6

1962
66+8

1963
66+10

ab 1964
67+0

* in Jahren + Monaten

Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.

Das sind die Ausnahmen

Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre – bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.

So viele Abschläge zahlen Sie

Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.

Das ändert sich bei der Witwenrente

Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.

So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.

Das ändert sich für Schwerbehinderte

Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.

Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten

Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.

Quelle (rechte Spalte)

Dies alles wurde zuerst von der SPD ins ‘politische Spiel’ gebracht und ausgekaspert, dann von einer schwarz-roten Koalition umgesetzt.

Auf einer Blogseite wurde jetzt schon mal in wirklich guter Schreibe der SPON-Beitrag mehr als ad absurdum geführt. Wenn Blinde von Farben sprechen, können sie wirklich mehr aussagen. Hier ein winziger, aber wichtiger Ausschnitt:

Dass man mit der gesetzlichen Rente allein nicht mehr seinen Lebensstandard sichern kann, ist eine rein politische Entscheidung. Denn wenn sich, wie in Deutschland, quasi alle Besserverdiener aus der gesetzlichen Rente ausklinken und ihr eigenes Süppchen kochen, dann kann die gesetzliche Rente natürlich auf Dauer nicht mehr funktionieren.

Wenn aber wieder ALLE in ein und dieselbe Rentenkasse einzahlen, also auch Rechtsanwälte, Politiker, Beamte, Ärzte, Apotheker, Notare und Selbstständige, dann würde die Sache ganz anders aussehen. Logisch, dass ein dick in der Sahne hockender Politiker wie Jürgen Rüttgers davon natürlich nichts hören will. Egoisten geben halt nur ungerne etwas ab.

Die Rente ist inzwischen ein beliebter Spielball in der Politik, weil die Betroffenen sich eigentlich nicht mehr wehren bzw. wehren können und/oder wollen.

Wer sein ganzes Leben lang wirklich geschuftet hat, sehnt sich einfach nach Ruhe. Diese wird ihm/ihr aber nur in letzter Konsequenz gewährt, wenn man in die Grube springt. Nicht gerade die angenehmsten Aussichten, obwohl sie unabänderlich sind.