Herzzerreißend

Der SPON bricht eine Lanze für den freien Journalisten. Die Aussagen im Beitrag widersprechen sich aber. Kommt schon mal vor. Freiberufler können schon leicht mal an Paranoia leiden.

Durch eigene Erfahrungen auf diesem Gebiet bin ich selbst natürlich vorbelastet. 30 Jahre als Freelancer hinterlassen nun einmal auch Lebensspuren. Jetzt, mit einer Rente von knapp 500 €uronen, bin ich aber auch nicht viel schlauer als vorher. Würde ich es heute anders machen? NEIN.

Journalisten sind meist Einzelkämpfer. Ich selbst habe aber auch gelernt, im Team zu arbeiten. Gerade die Zeit von 1984 bis 1992 als Kameramann und zum Teil in Personalunion als Redakteur im TV (alle Sender) haben mich auch ‘gestählt’. Mit dabei aber auch immer wieder neue Lernprozesse durch bekannte Größen in der Branche. Von denen zu lernen war zum großen Teil Genuss pur. Nur einmal, für MTV, ein echter Ausraster meinerseits. Ich konnte nur ‘Nein, danke’ sagen und den Stinkefinger zeigen. Dilettantismus bringt mich zum kotzen.

Schreibende Journalisten haben es da einfacher. Ihre Kreativität wird nicht durch Technik und äußere Einflüsse eingeschränkt oder aber auch erweitert. Ihr Können kommt zu 99% aus dem Kopf. Natürlich ist richtiges formulieren wichtig. Ebenso der Satzbau. Was früher die Schreibmaschine war, ist heute der Computer. Für die meisten Journalisten der heutigen Generation eine absolute Wohltat. Gegen ‘Legasthenie’ helfen aber auch diese Kisten nicht und die Satzzeichenfalle schnappt immer wieder zu.

Wer sich aus Überzeugung und auf Dauer frei etablieren will, muss als Profi agieren: Expertise in einem Fachgebiet anhäufen, Rechercheergebnisse mehrfach verwerten, für verschiedene Medien arbeiten. Von erfahrenen Kollegen lernen, sich geschickt vernetzen und gemeinsam statt einsam für die eigenen Interessen einsetzen. Gut bezahlte „Schwarzbrot“-Beiträge mischen mit Feinkost, mit persönlichen Herzensthemen. So können sie ordentlich von ihrer Arbeit leben.

Quelle

Ich persönlich habe 1983 mit diesen Kisten angefangen. Ich war damals schon über 30 und ich hatte nur einen Volksschulabschluss. Der heutige Nachwuchs bei den Journalisten ist damit aufgewachsen. Bits und Bytes mit der Muttermilch. Bei mir persönlich ‘learning by doing’. Allein die Listings aus den ersten Computerzeitschriften waren der pure Horror. Maschinensprache-Listings in Hexadezimal und dann ein Fehler (AD statt DA). Schon allein die Fehlersuche bringt einen an den Rand des Wahnsinns. Aber diese Zeit war nur ein Übergang, aber ein lehrreicher.

Mich persönlich hat viel Lesen zum Schreiben gebracht. Selbst bei Groschenromanen kann mal lernen, zu formulieren. Ich will aber auch keine Preise gewinnen oder gar Karriere machen, heute. Ich freue mich sogar über negative Kommentare. Ein sogenannter ‘Schlag in die Fresse’ kann auch manchmal hilfreich sein. Er sagt mir immerhin, meine Beiträge werden beachtet. Meine Entwicklung im Schreiben ist ständige Erneuerung. Meine Themen sind reines Bauchgefühl. Was mich persönlich nicht interessiert, wird niemals Thema werden. Mein Glück – ich muss damit kein Geld mehr verdienen.

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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