AlterKnacker´s Streiflicht Nr.7

Eigentlich bin ich schon lange kein Neidhammel mehr.

Mark Zuckerberg hat gerade mal ein paar Milliarden Dollar eingesackt und dann auch gleich geheiratet, erst mal Glückwunsch und alles Gute. Dass sich der Börsengang von Facebook inzwischen zum Fiasko entwickelt hat, war in dieser Dimension zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Auf solche Ereignisse kann niemand neidisch sein.

Bei mir liegen zur Stunde noch 11 €uronen auf dem Konto und dümpeln so vor sich hin und der Monat hat noch 9 Tage, welche es zu überbrücken gilt. Aber ein kleines Trostpflaster bleibt; ich erwarte noch einige wenige €uro aus kleinen Auktionsverkäufen, nur ist das Geld noch nicht auf dem Konto und so lange dies nicht geschehen ist, muss ich mit einer gewissen unsichtbaren Angst leben.

So geht dies jetzt schon seit 10 Jahren und man sollte ja eigentlich meinen, ich hätte mich inzwischen daran gewöhnt. Aber dass ist nun mal so eine Sache mit der ‘Gewöhnung’, sie klappt nicht immer. Manche Monate haben es einfach in sich. Jede Ausgabe will und muss mehr als nur überlegt sein. Dass fängt schon bei den Lebensmitteln an. Alles muss äußerst billig sein, gut über den Monat verteilt und ich kann auch nicht einfach drauf los kaufen, denn schon mit warmen Mahlzeiten kann ich, nur mit einer Elektropfanne bestückt, nicht viel Phantasie walten lassen. Ravioli, Eintöpfe, Fleischpflanzerl, Leberkäs und Fertig-Bratkartoffeln, dies sind die so die Mahlzeiten, welche in dieser Pfanne gerade so gehen.

Aber warum beschwere ich mich eigentlich? Ich hab nur Angst. Wenn ich bei allem Selbstmitleid dann an Griechenland oder andere Länder mit wirklich echt hohen Schulden denke, dann geht es mir mit meinen 420 €uro Rente doch noch glänzend. Und ich habe immerhin auch ein Dach über dem Kopf (auch wenn es nur ein Obdachlosenasyl ist) und sogar einen Computer, der es mir erlaubt, meine Gedanken mit der Welt zu teilen.

Dass meine Angst-Psychose schon länger anhält, ist allein schon mit Verlustängsten zu begründen, welche sich nach der ‘Kündigung’ meiner zweiten Frau ausgeprägt haben und sich auch nicht mehr so einfach zu handhaben lassen, wie in jüngeren Jahren. Auch denke ich mal, dass besonders seit Einführung von Hartz IV und dem Sozial-Kill sich solche Symptome bei vielen dadurch Betroffenen mehr oder weniger ähnlich ausgebildet haben. Ich habe ja noch das sogenannte ‘Glück’, inzwischen in Rente zu sein, andere Betroffene müssen noch ziemlich lange werkeln, bis sie selbst in den zweifelhaften Genuss derselben kommen.

Jetzt, nach circa 10 Jahren habe ich im August erstmals einen Termin bei einem Psychologen. Ob es aber wirklich was hilft, wird sich erst noch herausstellen, denn in der Beziehung bin ich als Realist schon ein ziemlicher Skeptiker. Ein Leben, wie ich es geführt habe, hinterlässt nun mal nicht nur angenehme Erinnerungen, sondern zum Teil auch ziemlich tiefe Narben.

Da ich aber inzwischen Prioritäten gesetzt habe mit dem Schreiben meiner Beiträge und dem ständigen Lesen von Nachrichten, habe ich mir Aufgaben erarbeitet, welche ich inzwischen auch mit Lust erledige. Es ist aber kein vollkommener Ersatz für echtes und uneingeschränktes gesellschaftliches Leben. Dies merke ich besonders an Tagen, wenn es mich eigentlich aus der Wohnung treibt, ich aber weiß, dass ich es mir finanziell nicht leisten kann, mich mit dem Netbook in ein Café zu setzen, um meine Umwelt zu beobachten und in mich auf zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt bin ich dann schon mal neidisch auf den Rest der Gesellschaft, die sich solche Kleinigkeiten einfach leisten können. Von 30/31 Tagen 20 Tage in der Wohnung zu verbringen, kann dann schon ziemlich unmenschlich werden und dies kann sich dann auch in meinen Beiträgen ausdrücken, wenn ich nur noch subjektiv ‘urteile’.

Schon länger bin ich mir bewusst, dass mir ein relativ ‘normales’ Lebensende nicht beschieden sein wird, aber es ist eine Sache, sich dessen bewusst zu sein und eine Andere, dies auch zu akzeptieren. Da ich auch ein Kämpfer bin, ist dies keine einfache Sache. Noch funktioniert mein Gehirn und dies will ich, solange es möglich ist, auch ausnutzen. Ärgerlich ist aber für mich, dass meine Knochen nicht mehr so wollen, wie ich es mir vorstelle und ich dadurch in gewissem Maße ‘behindert’ bin, mir zum Beispiel was dazu zu verdienen. Auch in dieser Beziehung bin ich inzwischen auf andere neidisch. Ich werde wohl noch lernen müssen, mit einigen Unzulänglichkeiten zu leben und diese auch zu akzeptieren. Aber da ich mit meiner Schreiberei auch noch einiges ‘vorhabe’, werde ich mich weiter darauf konzentrieren und vielleicht sogar noch ein oder zwei ‘Überraschungen’ zustande bringen. Also wird es auch in Zukunft für mich heißen, Disziplin zu halten, auch wenn es manchmal einfach schwer fällt.