Altmännerphantasien?

Als ich am 15.Mai diesen Beitrag schrieb, war ich noch ganz fest davon überzeugt, dass Oskar Lafontaine die Linke wieder aus dem Jammertal führen kann, denn linke Politik hat dieses Land inzwischen bitter nötig. Auch ich selbst bin, wenn man so will, ein inzwischen alter Mann, aber genau wie Oskar auch ein Mann mit einer gewissen Portion Erfahrung. Natürlich ist dies allein kein entscheidendes Kriterium, sollte aber niemals ganz aus dem Blickfeld verbannt werden. Oskar kennt diesen Politik-Betrieb wie kaum ein anderer, auch wenn die Kritiker immer wieder gebetsmühlenartig die gleichen Vorwürfe von sich geben, nur werden die dadurch auch nicht wahrer.

Als er sich aus der SPD quasi ‘verabschiedete’, hatte er längst erkannt, wohin diese Politik, besonders mit solch einem Typen wie Gas-Gerd, triftete und er hat sich schon ziemlich rum gequält, bevor er sich zu diesem drastischen Schritt entschloss. Ich selbst war schon längere Zeit ein ‘Anhänger’ von ihm, denn ich konnte vor seinem Intellekt nur immer meinen Hut ziehen und war natürlich auch manchmal ein wenig ‘eifersüchtig’ auf diesen Intellekt besonders im Hinblick auf die ökonomischen Erfordernisse, welche auf dieses Land zu kamen oder auch zu gekommen sind. Mit Lafontaine wären die Hartz-Gesetze niemals in der heutigen Form möglich gewesen, denn auch wenn Oskar ein sehr ausgeprägtes Ego sein eigen nennt, so hat er doch niemals die sogenannten kleinen Leute so hoffnungslos ‘vergessen’, wie es die SPD nach seinem Abgang tat. Er kannte die soziale Verantwortung, welche die SPD bis dahin hatte.

Der “Genosse der Bosse”, wie Gerhard Schröder nach seiner Wahl genannt wurde, musste zwangsläufig sein Gegner werden, ebenso wie so manch andere ‘Verräter’ in der SPD.

Als er sich nach seinem Abgang aus der SPD nicht aufs Altenteil eines Politikers zurückzog, sondern eine neue linke Kraft namens WASG mitgestalten wollte und musste, war fast einer Zwangsläufigkeit geschuldet, denn er hatte ja nicht sein Hirn verloren, sondern nur eine Partei verlassen und sich im linken Spektrum neu orientiert. Auch dies sein seinen ewigen Kritikern einfach mal ins Stammbuch geschrieben, auch wenn sie dies niemals öffentlich zugeben würden. Wir Alten, fast alle aus einer Generation, lassen uns nicht so leicht unter buttern, denn wir wollen noch lange aktiv sein, solange das Herz und das Hirn es überhaupt zu lassen.

Wenn ich dann Begriffe wie den Beitragstitel in einem SPON-Beitrag lese, so bekomme ich einfach einen rechten Anfall von Wut über die Dummheit von Autoren, welche sich heute so den Lumpeneliten unterordnen und eigentlich in ihrem Beruf völlig fehl am Platze sind. Natürlich ist Oskar Lafontaine kein Heiliger und hat dies auch niemals für sich beansprucht, aber er war und ist auch niemals als Fähnchen im Wind aufgetaucht, wie so einige seiner sogenannten Kollegen, auch aus anderen Parteien. Oskar war und ist natürlich auch ein Machtmensch, was er auch niemals verheimlicht hat, aber diese Attitüde braucht es auch, wenn man in der Politik führen will und muss, weil wirklich gute Politiker kann man sowieso nur an fünf Fingern abzählen und sich ihnen dadurch auch verbunden fühlen.

Dass sich Oskar Lafontaine jetzt entschlossen hat, keinen Führungsposten in der Linken mehr zu übernehmen, ist nicht allein der Tatsachen um Dietmar Bartsch und anderen Genossen geschuldet, er wollte helfen und man hat ihm einen Arschtritt verpasst und wer noch einiges an innerer Stärke besitzt, lässt dies nicht mit sich geschehen und die Linke wird es noch mal bedauern, wenn sein Denken, aber auch Handeln ihnen nicht mehr in dem Maße zur Verfügung steht wie bisher.

Schimpft mich jetzt ruhig einen Volldeppen, damit kann ich ungemein gut Leben, aber ohne Oskar Lafontaine wird die politische Landschaft mehr als ärmer, sie wird auch noch kälter.

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

7 Kommentare

  1. Altmännerfantasien? Grins, dazu wäre mir fraglos anderes eingefallen wie: Nochmals den größten Hügel im Umland zu ersteigen, eine gute Havanna abqualmen (mag den Gestank echt nicht)und lässig Konstantin Wecker`s geliebter Kanzerlin eine gute Fahrt in die Rente zu wünschen. Nach der gemütlichen Einleitung nun aber Tacheles:

    Oskar Lafontaine gestaltete die damalige WASG nicht mit, er benutzte die junge Partei nebst Verein kurzfristig als Sprungbrett. Sehr früh machte Lafontaine klar, daß er keinesfalls allein für die WASG auf die Bretter der Politik zurückgekommen ist. Was viele in der WASG nicht wußten, lange vor der Parteiwerdung gab es bezüglich Oskar Lafontaine Ziele das alles in einer großen Partei münden zu lassen. Mitgestalten sieht absolut anders aus. Lafontaines eingestielter WASG Beitritt folgte die zunehmende Undurchlässigkeit von der Basis zur Parteispitze. Das war mal anders. Übrigens, von einer „linken“ Kraft WASG war anfänglich keine Rede. Im Juni 2004 nahm das WASG Vereinsgründungsmitglied Thomas Händel an einer Phoenix Runde im TV teil. Von einer „linken“ WASG e.V. wollte Händel seinerzeit nicht reden. So erklärte sich zu Beginn der WASG e.V. auch der Beitritt von Menschen aus verschiedenen Parteien von SPD über Grüne bis hin zur FDP. Besonders die bis dahin parteilosen Bürger verdienen an dieser Stelle eine besondere Erwähnung. Bis ersichtlich wurde einem konstruierten Parteigang aufgesessen zu sein. Soviel mal zur mittlerweile verklärten Historie in Sachen WASG.

    Die Version „nur helfen zu wollen und gebeten worden zu sein“ kaufe ich dem Klaus Ernst nicht ab. Wer helfen möchte und dazu gebeten wird, der stellt keine ultimativen Bedingungen. Auch ein Machtmensch muß die Sollbruchstelle kennen oder er riskiert eine Abfuhr, wie im weiteren Verlauf geschehen. Gerade weil Lafontaine ein altgedienter Politiker ist, sollte er mit der später erfolgten Reaktion auf seine Bedingungen mit kurzristiger Verschärfung gerechnet haben. Alles andere wäre einem sich abzeichnenden Realitätsverlust nahe gekommen.

    Zum Schluß seiner politischen Lebensarbeit hätte es dem Lafontaine gut gestanden wirklich in beratender und unterstützender Funktion seiner Partei beizustehen. Das war dem Saarländer zu wenig, zu groß sein Ego. Mag die Linke in der nächsten Zeit in Probleme schippern, wir haben in der Zukunft weitaus größere Probleme zu überleben. Parteien sind Auslaufmodelle und deren internen Kriegsführungen bereits jetzt von Gestern.

    Warum soll dich jemand einen „Volksdeppen“ nennen? Abschied ist stets ein wehmütiges Erlebnis, angesichts sozialer Kälte. Oskar Lafontaine alleine hätte das nicht aufhalten können. Wenn es noch kälter wird, dann weil wir alle uns am ausglühenden Ofen festkrallen.

    1. Dr. Kurt Kutzschbauch
  2. Pingback: Die einen zerrissen, die anderen auf dem aufsteigenden Ast | Freies in Wort und Schrift

  3. Pingback: Lieb Vaterland magst ruhig sein … « Muskelkater

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