Der Zweite ist der erste Verlierer

Diese Überschrift ist mir gestern schon vor dem Spiel FC Bayern gegen FC Chelsea eingefallen, als der FCB schon in der zweiten Saison hintereinander keinen Titel mit nach Haus brachte und so ganz Fußball-Deutschland in eine wahre Schockstarre versetzte, gestern zuletzt in der Champions League, denn dass recht seltene Heimrecht hat nun mal nicht immer nur Vorteile.

Aber es lag nicht am Gegner, dass der FCB verlor, es war der Verein selbst, der sich diese Niederlage zuzuschreiben hat, denn in Wettbewerben hat niemand ein Dauer-Abonnement auf Erfolge.

Der Fußball-Club von der Säbenerstraße in München ist Deutschlands Aushängeschild in der Welt, die Spieler sind meist vom Feinsten, was man so an Ball-Artistik sich einkaufen kann, denn der Club ist einfach nur erst mal reich und wird geschäftlich hervorragend geführt. Auch die Nachwuchsarbeit ist vorbildlich. Aber Geld und wirtschaftlicher Erfolg bedeuten nun mal nicht auch, dass damit eine Mannschaft geformt wird, welche es sich auch verdient hat, Erfolg zu haben.

Borussia Dortmund hat es jetzt schon in der zweiten Saison vorgemacht, wie man auch mit weniger Arroganz und noch weniger finanziellen Mitteln eine Mannschaft formt und motiviert und diese Bescheidenheit hat nun mal auch einen Namen, nämlich Jürgen Klopp, den die Bayern damals, als sie statt ihm Jürgen Klinsmann engagierten, nur nicht in Betracht zogen, weil diese Arroganz schon des längeren eine echte Münchner Spezialität ist. “Mir san mir” ist auch der Ausdruck der Münchner Schickeria, die ich selbst jahrelang ‘genießen’ durfte. Klopp ist nicht ‘fein’ genug für diese Schickeria, er ist manchmal auch herrlich proletarisch laut und damit ‘unfein’. Dass er unter anderem ein wahrer Meister der Motivation ist, zählt erst an zweiter Stelle.

Wie man sich in München zu ‘benehmen’ hat, bekommt jeder neue Bayernspieler, aber auch Trainer, schon in den ersten Lektionen beigebracht, noch bevor das Fußballtraining beginnt. Gentleman wie Ottmar Hitzfeld sind da in München hoch willkommen, sie können sich ‘benehmen’, auch Felix Magath passte wunderbar ins Konzept der Äußerlichkeiten und erst recht Louis van Gaal, Jürgen Klinsmann war insofern eine Ausnahme, da er vorher schon für den Club gespielt hatte, aber Bäckerjungen sind nun mal kein besonderes Aushängeschild.

Hinzu kommen aber auch bayrische Eigenheiten, welche man erst ergründet, wenn man schon jahrelang wirklich in Bayern und speziell in München lebt und die man auch nicht so einfach oder auch gar nicht in Worte kleiden kann. Spieler des FC Bayern gehören fast automatisch zur Schickeria und lernen so auch sehr schnell, sich entsprechend zu verhalten und Fans sowie auch ganz ‘normale’ Menschen immer schön auf Distanz zu halten. Und dazu kommt noch, dass diese Bayern-Spieler fast allesamt Gelder verdienen, welche mit normalen Maßstäben nicht zu begründen sind.

Diese Art einer sogenannten Überheblichkeit macht anfällig für Versagen, denn man ist nicht psychologisch darauf eingestellt. Und erst recht nicht traditionell und Tradition wird in Bayern nun mal besonders groß geschrieben.

Ich persönlich habe lange gebraucht, um mich mit dem Sport Fußball anzufreunden, denn von Hause aus hieß es in der Familie immer, 22 Deppen rennen einem Ball nach, was ich erst ablegte, als ich beim Fernsehen immer wieder bei Spielen mit Ton und Kamera vor Ort war und dadurch diese Spiele live sehen konnte. Dass einzige, was mich auch heute noch abschreckt, sind die Masse an ‘Fans’, welche sich für mich einfach bedrohlich ‘anfühlten’ und sich dies auch hin und wieder durch dämliche Ausschreitungen bestätigte. Aber das ist eine Geschichte für sich, die ich hier nicht weiter auszubreiten gedenke.

Der FC Bayern ist also jetzt in der zweiten Saison nur Zweiter und wenn sich an der Gesamteinstellung dieses Vereins nichts grundlegend ändert, könnte dies noch einige Zeit so weiter geht. “Back to the Roots” sollte die neue Devise für den FC Bayern sein, aber ich bin ja nur ein dämlicher Beobachter dieser Szene und so wird es auch für mich bleiben, denn es gibt für uns ALLE wichtigeres im Leben als Fußball.

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AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

4 Kommentare

  1. Fussball ist unser Leben …„, klingt mir heute noch in den angestaubten Lauschern. Die Bayern, das Vorzeigemodell baiuwarischer Urgstämmigkeit und die preussischen, sorry, westfälischen Borussen standen in Jugendzeiten stets für den Wettkampf in einer gemeinsamen Sache namens: Rundes Leder mit viel Luft, auch Fußball genannt. Dazwischen schob sich dann und wann die Gelsenkirchener Schalker,sozusagen als flankierendes Störmanöver.

    Früher, also vor der Zeit als Grauer, stand Fußball schon a bisserl besser dar. Vom Bettbezug über Trainingsklamotten bis hin zum samstäglichen Sportstudio belegten die „22 hinter einem Ball herlaufenden Idioten“ so manches Wochenende, wenn auch schon mal unfreiwillig. Wobei, im Deutschen Bundestag laufen weitaus mehr hinter was auch immer hinterher.

    Heute bleibt nur noch die schmunzelnde Erkenntnis: Fußball und Politik sind in „bester“ Verwandschaft: Sportlich mit den üblichen Abseitsfallen, Fauls, mittlerweile geldgeil und eitel wie eine Herde Gockel, korrupt bis hin zum Schiri. All das teilen sich die römischen Pfeiler der deutschen Gesellschaft:

    Panem et circenses – Brot und Zirkusspiele
    Diese geistige Eingebung des römischen Dichters Juvenal widme ich diesem unserem Volke: Entpolitisiert – Ängstlich, versunken im Tunnelblick auf Brot und Spiele. Mit eigenen Worten liest sich das so:
    Vornehm geht die Welt zugrunde, trotz verordnetem Aufschwung aus des Kanzler(in)s Munde

    „Back to the roots“?
    Dazu fehlt denen, also Spielern – Management – Schiedsrichtertum sowie Organisationen und Verbänden etwas ganz entscheidendes: Die Ghandische Bescheidenheit.

    Zum Schluß finden wir uns einig zusammen:

    Im Leben gibt es für ALLE wichtigeres, als hinter einem Fußball,auch Luftbeutel genannt,hinterher zu hecheln.

    Röchel, habe fertig!

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