Der Nichtwähler, Gefahr für unsere Demokratie?

Kühne Behauptung? Vielleicht. Eine Tatsache ist es alle mal. Ein Bürgerjournalist hat dies mal anschaulich beschrieben. Nur was sind eigentlich die Gründe, warum Bürger nicht zur Wahl gehen? Einen habe ich heute morgen gefunden:

Sind Große Koalitionen Fusionen, um auf dem europäischen Markt überhaupt eine Stimme zu haben? Wenn das so ist, markieren diese Bündnisse nicht nur eine historische Wandlung, sondern gleich die Endphase der Nationalstaaten. Damit verschiebt sich die politische Willensbildung.

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Ist es aber allein ein Egoismus? Liegt es nur daran, die Politik im Gesamten abzulehnen? Oder sind es nur Einzelheiten des politischen Alltags? Ganz sicher ist es eine Ablehnung der Gesamtfinanzpolitik, weil sie uns Angst macht. Weil wir sie nicht verstehen. Deutschland hat ein föderales System, was sich in €uropa im größeren Stil fortsetzt, unsere Bundesländer zerreißen unser Zusammenleben in viele kleine Unterschiede, auch dies wird in €uropa fortgesetzt. Diese Unterschiede werden aber nicht als Chance, sondern eher als Hemmnisse angesehen und die Nichtwähler sagen uns auch darüber quasi ‘ihre Meinung’. Das aber auch die Politikverdrossenheit eine große Rolle spielt, darf man nicht außer acht lassen, aber daran sind die Politiker zusammen mit ihren Parteien selbst schuld, denn sie agieren zum großen Teil in eigenen Galaxien. Das Beispiel an einer Partei macht dies deutlich:

Wenn ein deutscher Sozialdemokrat morgens aufsteht, sagt er sich vor dem Spiegel: Wahlen werden in der Mitte entschieden. Das hat ihm der selige Peter Glotz so beigebracht. Und daran hält er sich auch. Die Erfahrung lehrt für die deutsche Sozialdemokratie zwar etwas anderes. Aber was ist die Erfahrung gegen die Theorie von Peter Glotz? Wäre der deutsche Sozialdemokrat ein praktischer Mensch, wüsste er, dass die Mitte in Wahrheit gar kein Ort der Politik ist. Sie ist nur ein theoretischer Punkt. Jedes politische System, das in die Mitte drängt, deformiert sich dort zu Tode.

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Aber nicht nur die Sozialdemokraten als Sozial-Kill-Partei haben den Mythos von der Allwissenheit der Politik derart entzaubert. Tatsachen um Hartz IV sind ein weiterer Stein im Mosaik der Politikverdrossenheit. Die Erwartung der Rundumversorgung mit politischen Entscheidungen pro Bevölkerung steht nirgends geschrieben. WIR müssen auch Eigenleistungen bereit sein und Wählen gehen gehört nun mal dazu. Und manchmal klappt es ja auch mit dem Wählen, wie man es gerade jetzt in Frankfurt erlebt hat.

Natürlich haben wir auch Politiker, welche schon fast wie Heilige verehrt werden, aber solche Ausnahmen bestätigen oft die Regel, dass sich die Politik doch in gänzlich eigenen Räumen bewegt. Und was sich im Kleinen in unserer schönen Bundesrepublik rein politisch abspielt, kann man im größeren Rahmen auch auf €uropa anwenden.

Uns Deutschen, schon allein bekannt durch die Tatsache, Reiseweltmeister zu sein, sollte doch schon mal Ansporn genug sein, besonders €uropa auch mit politischen Augen zu sehen. Ohne diesen Blick für die Gesamtheit einer Offenheit gegenüber den anderen europäischen Staaten, welche wir ja ohne weitere Hemmnisse besuchen können und es auch ausgiebig tun, kapseln wir uns ab und werden so zu Außenseitern. So etwas gefällt mir persönlich gar nicht. Noch weniger gefällt mir aber, wie wir mit unseren Nachbarn in Bezug auf die Finanzkrise umgehen.

Wir sind nun einmal €uropäer. Wir haben einen gemeinsamen Markt und auch in der Mehrzahl eine  gemeinsame Währung, was ich als gut empfinde. Dass wir auch einen gemeinsamen Wasserkopf an europäischer Verwaltung inzwischen haben, ist die Kehrseite der Medaille und daran müssen wir alle in €uropa arbeiten. Durch Nichtwählen werden aber solche Veränderungen, die notwendig sind, nicht erreicht und sie werden eher extremen Parteien und Ideologien zugute kommen, welche gegen eine Demokratie sind, wie sie sich die Mehrheit der Menschen wünscht.

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AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

6 Kommentare

  1. Frank Poschau

    Rattenfänger von Hameln hat einen Nachfolger,
    „Die Piraten“.
    Meine Freundin und ich zum „Stammtisch“ nach Kiel, im Kopf das Wahlprogramm, für diese Ideen kämpfe ich seit Jahren. In der Tasche einige weiterführende Gedanken dazu, es darf ja jeder mitmachen, mitreden.
    Ankunft in der Pumpe, keine Organisation, erst im Saal, musste man dann wegen eines geplanten Heavy-Metal Konzerts in den Keller ausweichen. Stinkendes Loch, viele junge Leute, biergeschwängerte Luft, was viele veranlasste sich an Flaschen festzuhalten. Ja man kommt sich besonders alt vor, aber jeder ist willkommen und Alter hat Erfahrung und die will ich mit ihnen teilen. Das Durcheinander nimmt kein Ende, auch nicht als die „leitenden“ Mitglieder erscheinen. Verteile aus langer Weile mein Gedicht, „Deutschland, Heimat, mein Vaterland“. Die Gesichter werden bei der Überschrift länger, einige geben angewidert das Blatt zurück, „für sowas habe ich keine Zeit“. Na gut, Heimat, Vaterland ist auch für die Jugend schwer zu vermitteln, die in der anschließenden Diskussion alle Werte und
    Rahmbedingungen unserer Gesellschaft abgeschafft sehen wollen. Als ich dann noch auf gesellschaftliche Werte bestand und mir erlaubte anzumerken, dass eine Gesellschaft ohne Rahmenbedingen und Kultur in sich zerfällt, wurde die Diskussion hitziger. Das die Bevölkerung die heute noch den Freiheitsdrang und die scheinbare Einfachheit im und durch das Computernetz Glauben schenkt, aber irgendwann Personen wie Inhalte sehen wollen, erregte die Piraten zügellos. Besonders tat sich ein Sven Krumbeck hervor, „wir haben keine Person vorne, wir sind alle, bei uns wird im Netz und überhaupt jeder entscheidet. Grenzen gibt es dann keine mehr, alle sind gleich, jeder darf bestimmen. Mir wurde langsam bang und mir fiel der gescheiterte Sozialismus und der kommunistische Gedanke ein, der an dem Verschiedensein der Kulturen und Glaubensrichtungen immer gescheitert ist. Als dieser Sven mir noch einen, seinen Beitrag zum Wahlprogramm zum Lesen gab, ich ihm zupflichtete, aber in der heutigen Zeit für Träumereien hielt, war ich raus. Er, „ dann must du überlegen, ob du hier richtig bist“.
    Also wer nicht für die Piraten, für die Ideen ist, ist gegen sie. Jeder darf mitmachen, alle ihre Meinung schreiben, aber keine andere Meinung wird zugelassen. Was ich mir anmaße, er stellt schon seit Jahren Plakate auf, er kandidiere. Moment, keine Führer, haben aber Mitglieder die nach vorne drängen, Widerspruch wird mit raus drängen beantwortet, haben wir alles schon. Jetzt weiß ich auch, warum die Piraten das Wahlalter auf Kinderniveau runter setzen wollen. Jugendliche, leicht zu ködernde Beute,
    als Wahlfutter, um realitätslos Träume zu posaunen, Grundwerte und Gesellschaftsräume aufzulösen. Patrick Ratzmann und Dr. Heiko K. L. Schulze gaben mir ebenfalls zu verstehen, dass ich hier wohl falsch wäre.
    Ist das neu? Nein, das ist Protest mit Slogan die der Masse gefallen, weil lange gefordert und von den etablierten Parteien unterdrückt.
    Ich muss raus, ich habe das Gefühl duschen zu müssen, der Dreck und Schwachsinn drohen mich zu ersticken. Vor der Tür ging die Diskussion kurz weiter, wo die Führung mit ihren Speichelleckern mich angifteten und mir die Frage gestellt wurde, „was ich vorzuweisen hätte“?
    Ich komme mir an meinem Gehstock ganz klein vor, man muss was vorweisen, Verdienter sein, um ernstgenommen zu werden.
    Zum Kotzen, ich verstehe jetzt die Betrüger der anderen Parteien, die von Dummheit, Strohfeuer und unrealistisch sprechen.
    Da warte ich lieber bis die etablierten Betrüger das Land zu Grunde richten,
    ehe dieser Flohzirkus die Gesellschaft abschafft und alle kiffend in der Ecke liegen.

    Frank Poschau
    http://www.frank-poschau.jimdo.com

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