Gauckeln statt Wulffen?

Wahl kommt von Auswahl. Das sogenannte bürgerliche Lager, die bürgerliche Mitte, scheint der Sieger, aber man sollte bei aller Euphorie für diese sehr schnelle Entscheidung nicht die Querelen vergessen, welche Stunden zuvor noch vorherrschten.

Eine Qual der Wahl gab und gibt es eigentlich nicht bei nur einem Kandidaten, für den sich fast alle Partei-Oberen stark machten. Wenn ich aber so im Internet schaue und lese, was da jetzt auf uns zu kommt, dann sind wohl schon einige Fragen erlaubt zu diesem Kandidaten, wobei mir das Wort “Kandidat” doch etwas schwer über die Lippen kommt. Eineinhalb Jahre hat er sich immer weiter angeboten, allein vom Alter her hatte er ja mehr als Zeit und Muse, darauf zu warten, bis ihn der neuerliche Ruf ereilte und er dann auch sofort zur Stelle war.

Sein Witzchen darüber gestern Abend in der Pressekonferenz zu seiner Nominierung … aus dem Flieger gestiegen, ungewaschen in die PK ‘gezerrt’ … natürlich kann man über solche Sätzchen schmunzeln, aber ob man diesen Mann jetzt ohne Alternative einfach so wählt, sehe ich nicht als Wahl, als Auswahl an.

Politik in Berlin ist jetzt noch Ein-Dimensionaler geworden, als sie in den letzten 20 Jahren sich hin entwickelte. Da fallen in den Medien Worte wie ‘Freiheitskämpfer’, was sehr viele Menschen, welche wirklich gekämpft und geblutet haben, überhaupt nicht verstehen werden, besonders nicht, wenn man an die “Weiße Rose” denkt. Und sollten solche Vergleiche als abwegig kritisiert werden, dann sind Beiträge solcher Art vielleicht besser zu verstehen als die öffentliche Heiligsprechung durch Umfragen.

Genauso wenig, wie wir einen Schnorrer brauchen, brauchen wir einen sogenannten Heiligen und alle unsere sogenannten Jubelfeiern werden uns noch irgendwann im Halse stecken bleiben, wenn dieser Mann nicht seine offenbar angeborenen Scheuklappen ablegt und wirklich für UNS alle da ist, aber dies wage ich mehr als zu bezweifeln.