Was für ein bitterer Morgen…! – Mitten in der Dekadenz der Macht.

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Es ist tatsächlich einmalig in der Geschichte Deutschlands, dass die Immunität eines Bundespräsidenten aufgehoben werden soll.

“Kleinlichkeiten!” sagen immer noch manche dazu. Und doch:

“Die Staatsanwaltschaft weiss, dass der Unmut inzwischen groß ist, weil Beamte in Niedersachsen und anderswo wegen kleinerer Delikte gefeuert worden sind. Sie sind kleiner als Gratis-Urlaube, kleiner als Haus-Kredite. All das wissen die Staatsanwälte und haben doch so entschieden, nach eigener Beratung und nicht auf Weisung anderer Behörden, wie es in der Mitteilung ausdrücklich heißt.”

http://www.tagesschau.de/kommentar/wulff928.html

Bei uns anderen, die ihre Mini-Jobs erledigen, die ihnen noch zugestanden werden – bei allen, die von irgendwelcher Art Aufstockung, Hartz-IV, irgendwie betroffen sind – beginnt nun der Teil des Monats, der als “Restzeit am Ende des Geldes” bezeichnet werden kann, nachdem alle Unkosten beglichen wurden, die geleistet werden müssen. Jegliche Zuwendungen – auch jene in Naturalien – die 50.—Euro übersteigen, müssen den Behörden gemeldet werden…

Doch, bei allen diesen Menschen ist es strafbar – nicht direkt, aber indirekt. Abzüge, Strafmassnahmen, die das ganze Geld aberkennen, usw. Derlei “Kleinigkeiten” sind beim Bundespräsidenten allerdings lachhaft – darum hat er noch keine Nachteile zu erwarten. Es ging in diesen Fällen um einige Euros mehr.

Trotzdem, es ist eine Schande, und zeigt, wie tief wir unter den Regierungen die uns seit einiger Zeit heimsuchen, gesunken sind. Es sind zu viele, die dazu “Lappalie” sagen, und damit eine Menge Menschen beleidigen, die ehrlich sind und dies büssen müssen, weil sie längst abgeschrieben sind – die Langzeitarbeitslosen zum Beispiel. Jene, die nur noch Teilzeitstellen bekommen. Zeitarbeiter auch, usw.

Was für den Bundespräsidenten Lappalien sind, wäre für diese Menschen eine Menge Leben…

Sie haben dieses Leben nicht – geschweige denn die Spur einer Möglichkeit dazu. Von ihnen wird eine Disziplin erwartet, die Politiker zumeist nicht einmal ansatzweise aufbringen. Es ist gar so, dass Politiker anscheinend dazu neigen, diese Disziplin als schwere Arbeit einzuordnen, die irgendwie belohnt werden sollte… Nein, nicht bei den Bürgern mit der Verzichtskultur! – Sondern bei den Politikern, wegen unmenschlicher Anstrengung…

Ironie bei Seite – wer hätte gedacht, dass es in unserem vorbildlichen Land mit seiner pietistischen Arbeitsmoral, der Gottesfurcht in der Leitkultur, der verbal betonten Demut dazu kommen würde, dass ein Bundespräsident in Gefahr ist, seine Immunität zu verlieren? Und das, wegen Haschens nach Vorteilen beim schnöden Mammon, statt sich darum zu bemühen, den Vermögens-Zuwachs in Sachen Ethik zu vermehren.

Aber, was bedeuten Ethik, oder fromme Moral, wenn das Volk es zuläßt, dass es ausgenutzt wird mit einem freundlichen Kopfnicken, und dem Zusatz: “Gott hat es so gewollt!” – “Es ist eine Prüfung Gottes.” – oder: “Naja, so sind sie eben, die Politiker. Da kann man nichts machen….”

Bundespräsident Wulff war Kanzlerin Merkels spezielle Wahl. Sie brauchte ihn, damit er abnickt, was sie anschafft – damit er unterschreibt, wo es langgehen soll: Noch mehr gegen die einfachen Bürger dieses Landes, noch mehr gegen Deutschland an sich – noch mehr für die EU und die Geldverschleuderung. Da kam es dann eben doch nicht so genau darauf an mit der Moral, wie es scheint. Menschenverachtung inbegriffen – Derartiges  ist sowieso das neue Leitmotiv in Deutschland geworden.

Und nun also die Staatsanwaltschaft gegen den Bundespräsidenten dieses Landes. Das gab es bisher nur in anderen Staaten… Das gab es nur dort, wo Kriegerisches herrschte, Machostaaten, Despoten, Bananenrepubliken… Es gibt nicht wenige Bürger, die der Meinung sind, dass wir längst auch zu einer geworden sind.

Wachstum wird gefordert – Fortschritte in noch mehr Tüchtigkeit und Sparsamkeit. Das Einzige, was wirklich prächtig gedeiht in Deutschland – und dank der Vorbildfunktion gedeiht das auch in Gesamt-EU – ist die Dekadenz der Macht.

3 Kommentare

  1. Pingback: Gibt es einen Preis für Menschenverachtung? Die Tagesschau hat ihn sich mehrfach verdient « Urs1798′s Weblog

  2. Der geduldige und versuchsweise umfassende Blick auf alle die Foren und BLOGS, die sich im weitesten Sinne beschäftigen mit dem ethischen, dem moralischen, dem sozialen Versagen unserer Eliten, dieser Blick zeigt uns vieles, was wir in all unserer Treuherzigkeit als Wahlbürger und als vielfältig themeninteressierte Leser aller möglichen gedruckten Texte einfach nicht für möglich halten wollen. Doch wenn wir so denken, beweisen wir uns nur selber, im Rahmen der tatsächlichen gesellschaftlichen Entwicklung schlicht und einfach nicht wahrhaft auf der Höhe der Zeit zu leben:

    Alle modernen Medien zeigen uns doch nur eines, nämlich den gesellschaftlichen Ort, den wir mit Hilfe der gesellschaftlich emanzipierten Vernunft und vermeintlichen sozialen Rationalität letztendlich erreicht haben: den realen Ort aller Kontingenz. Kontingent ist alles, was möglich ist, aber dennoch nicht notwendig:

    Es ist für einen normalen Geldverkehr, so wie er einmal von den venezianischen und florentiner Bankleuten oder den Augsburger Fuggern und Welsern vor Zeiten gedacht gewesen sein mag, als sie das verbriefte Giralgeld sich ausdachten mit ihren Wechseln an Kaiser, Könige und sonstige gierige Herrscherhäuser, die damit ihre gierigen Kriege gegen ihresgleichen finanzierten, (immer auf Schlusskosten der betroffenen Bevölkerungen), es ist für diesen Geldverkehr nicht notwenig, dass die beteiligten Bankster und Börsianer uns alle, wenn wir es zulassen, schamlos betrügen und ausnutzen, aber: es ist möglich, und deshalb geschieht es.

    Es ist nicht notwendig, dass mächtige Staaten, damit ihre Rüstungen florieren, jeden bedrohen, der ihnen in die Quere kommt, aber: es geschieht.

    Es ist in unserer Welt mit dieser bewundernswürdigen Fülle an landwirtschaftlicher Produktion im ungeahnten Überfluss nicht notwendig, aber immer noch täglich möglich, dass hunderte von Kindern und ihre armen Eltern verhungern, aber: es geschieht.

    Es ist nicht notwenig, dass in der Bundesrepublik lediglich drei grosse Stromkonzerne die Preise für Elektrizität sich untereinander absprechen, denn es gab ja schon einmal eine Zeit, und so lange ist die noch gar nicht vorbei, als in den meisten Städten und Landkreisen die sogenannten Stadtwerke für die Stromversorgung sich zuständig und auch mächtig genug fühlten, aber sie haben sich schrittweise selber abgeschafft, diese Stadtwerke, (selbstverständlich auf Betreiben der Lobbyisten der grossen Konzerne und mit Hilfe oder Duldung der gekauften Politiker), das alles ist – wie eingangs angedeutet – alles nicht notwenig, aber: es ist geschehen und es geschieht täglich vor unseren verblüfften Augen immer und immer wieder auf’s neue.

    Nach diesem Schema könnte man nun stundenlang weiter solche Fälle aufzählen, die soziologisch und politologisch nicht notwendig wären, dennoch aber geschehen, eben weil sie in der modernen und funktional differenzierten Gesellschaft möglich geworden sind und wir alle es sehenden Auges zugelassen haben.

    Als in England die sogenannte Eiserne Lady einen ihr nicht passenden Bergarbeiterstreik zum Anlass nahm, in einem politischen und parlamentarischen Aufwasch gleich die gesamte englische Gewerkschaftsbewegung praktisch zu zerschlagen mit Hilfe von demokratisch zustande gekommenen Gesetzen, da fassten wir uns alle an den Kopf und fragten uns: ist das denn notwendig? Nein, notwendig war es nicht, aber weil alle englischen Sozialisten geschlafen haben oder politisch müde und zahnlos geworden waren, deshalb war es eben möglich geworden; auch ein Kind der modernen Kontingenz.

    Und was lassen wir hier bei uns alles täglich so an unsozialem Verhalten zu? Nur deshalb, weil es zwar nicht notwenig wäre, aber weil man oder frau es eben politisch möglich gemacht haben und weil wir als Wähler ebenfalls zu dumm oder zu faul sind. hiergegen – jeder auf seinem kleinen bescheidenen Platz – mutig, tapfer und beharrlich einzuschreiten. Es wäre nicht nur möglich, es wäre vor allem aus menschlicher und aus solidarischer Sicht mit den Betroffenen auch notwendig. Denn so kontingent ist keine Kontingenz, dass man sie nicht verändern könnte. Man müsste nur einmal konsequent versuchen, es zu wollen.

    Also, liebe Mitbürger, ihr habt die Wahl, macht Euch auf den Weg zu einer gerechteren Gerechtigkeit. Sie wird nie absolut sein und keinesfalls jemals vollkommen, aber gerechter als sie es heutzutage bei uns ist, gerechter wäre sie mit Sicherheit möglich und notwendig, wenn unser Staat nicht an der Unwilligkeit unserer Eliten letztlich zerbrechen soll.

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