Vadim Glowna – schon die Stimme faszinierte

Er war nie “der Star” und doch war er einer. Schon als ich ihn kennenlernte, an der Seite von Mario Adorf während der Dreharbeiten zu Reinhard Hauff’s Der Hauptdarsteller, war er der souveräne Schauspieler, mit dem man sich jederzeit auch über Banalitäten und Blödsinn unterhalten konnte und der doch dann auf dem Punkt vorbereitet war und seine Rolle spielte und auch nach dem Take wieder völlig relaxt und zugänglich war. Halt so ganz anders als solche Mimosen wie Adorf, der seine Allüren gerne heraus hängen ließ.

Für mich war es mein erster Spielfilm als Tonassistent, nur war leider mein Tonmeister die faulste Sau unter der Sonne und ich als Anfänger musste dort natürlich scheitern, denn dieser Beruf fordert ja nicht nur den Körper, sondern noch viele andere, besonders technische Aspekte, welche ich einfach nicht drauf hatte, da mein Tonmeister, trotz der Tatsache um das Wissen, dass ich Anfänger war, mich einfach auflaufen ließ. Nach 14 Tagen flog ich in hohem Bogen aus dem Team. Wenn ich nicht das Glück gehabt hätte, drei Wochen später bei der Serie “Der Alte” einsteigen zu können und mit dem dortigen  Tonmeister, Ludwig Langegger, einen wahren Glückstreffer zu landen, dann hätte ich damals recht schnell die Flinte ins Korn geschmissen und in diesem Beruf aufgegeben. Von 1978 bis 1982 konnte ich mehr als genug in dieser Branche lernen, denn nur in der echten Filmproduktion kann man sich auch für spätere Aufgaben aufbauen, wenn man bereit dazu ist.

Vadim habe ich auch in dieser Serie immer wieder gesehen und mit den Jahren entwickelt man dann auch so was wie ein freundschaftliches Verhältnis, was sich zum Beispiel in einem sogenannten Stammlokal, der “Kulisse” auf der Maximilianstrasse in München immer wieder fortsetzte. Erst als ich München 1986 Richtung Fürstentum Liechtenstein verließ, verlor ich ihn, aber auch viele andere Kollegen, aus den Augen und nur, wenn ich ihn dann im Fernsehen und/oder im Kino wiedersah, konnte ich jedes mal sicher sein, von ihm hervorragende Arbeit zu sehen, weil ich um seine Disziplin nun einmal wusste.

Das Vadim nur 6 Jahre älter war, wusste ich bis heute nicht, es war nie wichtig und so trifft mich sein Tod heute besonders hart, habe ich ihn erst vor kurzen wieder im TV in einer wichtigen Rolle gesehen und mich an ihm erfreut. Jetzt werde ich ihn doppelt vermissen, als Freund und als Schauspieler, der er mit Leib und Seele war. Wir werden uns in der “Kulisse” im Himmel hoffentlich wieder am Tresen treffen.