Vergessen und vergeben?

Jeder Mensch macht in seinem Leben Fehler. Bei einigen von ihnen haben diese Fehler auch einschneidende Konsequenzen. Nach moralischen und ethischen Grundsätzen sollte man jedem trotzdem eine zweite Chance oder auch mehr geben, aber sollte dies auch für Politiker gelten? Ja und nein. Politiker predigen doch in erster Linie für das Gute in der Gesellschaft, fordern es teilweise sogar. Nur was soll man mit Politikern tun, wenn sie genau entgegen diesen Grundsätzen handeln, die sie ja immer lautstark verkünden? WIR alle sind Gesellschaft und Bevölkerung. Inzwischen sind WIR aber auch wesentlich stärker nur noch reine Egoisten, uns kümmert nicht mehr, was der Mensch neben oder über oder unter uns macht. Wir haben von den sogenannten Vorbildern aus der Politik gelernt. Nicht zum Besseren. Nicht zum Wohl der Allgemeinheit. Wir alle wünschen uns Gerechtigkeit, aber sind wir auch gerecht, wenn wir Politiker ver- und beurteilen?

Bei Vorkommnissen wie jetzt um den derzeitigen Bundespräsidenten Christian Wulff ist die Bevölkerung mehr als uneins. Es kommt hinzu, dass der sogenannte politisch denkende Mensch hier zu Lande fast schon in der Minderheit ist. Die Nachrichten kommen nicht gerade an erster Stelle, denn es gilt an erster Stelle fast immer die Aussage: “Die machen doch sowieso nur, was sie wollen”. Dies ist an erster Stelle einer Politikmüdigkeit geschuldet, welche von der derzeitigen Politik in Berlin selbst verursacht ist. Parteien und Ideologien sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie auf die Bedürfnisse der Bevölkerung gar nicht mehr eingehen können und es zum Teil auch gar nicht mehr wollen. Das Prinzip der Parteienstrukturen muss für sie Vorrang haben vor dem Wohl der Bürger. Die Parteienlandschaft zerklüftet immer mehr und auch wenn Vielfalt an sich sehr nützlich sein kann, so kann dies aber auch verunsichern.

Das sogenannte ‘Herumgeeiere’ der unterschiedlichsten Parteien ist nicht der Wahrheit geschuldet, es ist Parteistrategie um Vermehrung und Verminderung von Macht.

Wer zum Beispiel das folgende Interview mit Christian Wulff sich anschaut und anhört, hat wahrscheinlich nur auf die Aussagen geachtet, aber die gesamte Gestik dieses Politikers überhaupt nicht oder nur sehr wenig beachtet. Dies kann man hier nachholen und man wird dann eigentlich sehr schnell feststellen, dass dieser Mensch und Politiker nicht besonders viel mit der wirklichen Wahrheit am Hut hat.

Interview Christian Wulff bei ARD und ZDF für alle, die es noch nicht gesehen haben

 

Da ich persönlich in meiner früheren Zeit als Kameramann solche Interviews zu Hauf gemacht habe, habe ich natürlich auch einen ganz anderen Blick auf solche Situationen und denke, diese auch unter einem psychologischen Aspekt zu sehen. Wer genau hinschaut, kann sehr schnell die Gestiken der Lügen und Abweichungen von der Wahrheit ganz klar erkennen. Da werden dann die direkten Aussagen sehr schnell zu inhaltslosen Floskeln und Ausflüchten, auch wenn sie mit noch so fester Stimme vorgetragen werden.

Aber nicht nur die Parteien verunsichern, auch die Medien haben ein gerüttelt Maß an Schuld an dieser Situation, denn das größte öffentliche Sprachrohr, die Bild-Zeitung, hat mal wieder sehr geschickt sämtliche Konkurrenzblätter für sich vereinnahmen können, als sie ihre Aktion und die Berichterstattung quasi mit der Konkurrenz teilte, um so glaubwürdiger zu wirken. Die Fakten über Christian Wulff sind eigentlich klar ersichtlich auf dem Tisch bis auf den Wortlaut der Mailboxaufsager bei Chefredakteur Dieckmann und Springer-Konzernchef Döpfner. Wenn diese im Wortlaut veröffentlich werden, dürften Unklarheiten eigentlich nicht mehr aufkommen, dann geht es wirklich nur noch um das Gesamtverhalten von Christian Wulff und damit um die Glaubwürdigkeit des sogenannten ersten Mannes im Staate.

Auch wenn ich persönlich für den umgehenden Rücktritt dieses Bundespräsidenten plädieren würde, so muss ich aber, wie schon im Beitragstitel angeführt, diese Entscheidung jedem einzelnen Leser überlassen. Rücktritte in der Politik sind nichts besonderes, es gab diese schon aus wesentlich weniger Gründen und Anlässen, aber besonders sogenannte Vorbilder für die Bevölkerung haben auch eine öffentliche Verantwortung, denen sie sich nicht so ohne weiteres entziehen können, wollen sie glaubwürdig bleiben.