Kein Bock, zu schreiben

Um 9:00 Uhr aufgestanden, Antriebskraft gleich Null, Gehirn leer, wie soll da ein Beitrag für den FIWUS entstehen? Ob wohl Kaffee hilft? Im Hintergrund laufen die “Rosenheim Cops” in der Glotze. Die sind heute auch nicht besonders inspirierend, auch wenn ich die Serie mit ihren Darstellern mag. Natürlich habe ich bei Google die Schlagzeilen durchforstet und bin auch auf einen Bericht über Armut in Deutschland gestoßen, aber ich habe eigentlich heute überhaupt keinen Bock, mich mit solchen Themen zu befassen. Arm bin ich selbst. Klar, natürlich erst mal im Geiste, aber auch materiell und finanziell.

Natürlich hatte ich auch schon andere Zeiten in meinem Leben. Mein Wechsel aus dem Filmgeschäft in die IT habe ich nicht aus einem Bauchgefühl heraus getroffen, diese Entscheidung wurde ganz klar von der Ratio entschieden. Die Aufträge beim Film wurden und werden von Angebot und Nachfrage bestimmt wie immer im gesamten Wirtschaftsgefüge. Ich hatte meinen sogenannten Preis als Kameramann 1992, der wurde von den sogenannten Kollegen aus dem Osten massiv unterboten und da habe ich sozusagen das Handtuch geworfen. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt wieder eine Familie, musste also auch Verantwortung für andere tragen und hatte somit keine große Wahl.

Immer wieder, wenn ich an den Februar 1992 denke, sehe ich mich in Kronberg mit der Briefkarre durch Oberhöchststadt tigern und die Briefkästen füllen. Und dass zu einer ‘Gage’, welche mehr als ein Witz war. Natürlich habe ich mir gesagt, egal, was Du machst, die Hauptsache, es bringt etwas ein. Mein Frau ging ja auch arbeiten und so konnten wir so einigermaßen über die Runden kommen, denn vier Personen mussten ja Essen und Trinken und die Miete war auch nicht gerade die Geringste.

Das ich den Job bei der Post nach vier Wochen hingeschmissen habe, war einfach der Tatsache geschuldet, dass ich dieses vorgegebene Pensum in der normalen ‘Regelzeit’ einfach nicht geschafft habe und dadurch musste sich zwangläufig mein sogenannter Stundenlohn verringern, denn Überstunden wurden nicht bezahlt. Ich war und bin nun mal kein Briefträger.

Nach einer relativ kurzen Arbeitslosigkeit, in welcher ich natürlich keine Einnahmen hatte, da ich ja vorher als Freiberufler gearbeitet hatte, fand ich über eine Zeitarbeit einen Job mit Computern und den dazu gehörigen Programmen. ‘Word Perfect’ war damals das herausragende Textprogramm, aber man musste schon einiges dazu lernen, denn es war nicht ganz so einfach zu bedienen und in seiner Gesamtstruktur sehr mächtig, außerdem war Microsoft mit seinen eigenen Programmen, gerade was Textverarbeitung angeht, quasi noch in den Startlöchern.

Dieses für mich relativ unbekannte Programm war für mich eine echte Chance und durch den DVGW auch eine echte Herausforderung, denn ich hatte dort die Möglichkeit, dieses Programm wirklich bis an seine Grenzen auszureizen. Ich deckte mich also mit Fachliteratur ein und war in den nächsten neun Monaten rein kopfmäßig fast nur noch damit beschäftigt. Ich habe bis heute keine Sekunde bereut, auch wenn dieses Programm sich, wie viele andere auch, in die ewigen Microsoft-Jagdgründe verabschiedet hat. Bis heute gibt es kein Programm in der Textverarbeitung, dass solche Leistungen zustande bringt und damit den Bediener so herausfordert, aber es war nun mal ein reines DOS-Programm und die Hersteller haben die Zukunft und Weiterentwicklung der Software einfach verpennt und mussten halt irgendwann das Handtuch werfen.

Jetzt habe ich ja doch noch einen Beitrag zusammen bekommen, ich hoffe nur, er ist für unsere Leser nicht gar zu langweilig. In zwei Tagen ist Weihnachten, was mir schon lange nichts mehr bedeutet, deshalb streife ich hier nur diese Zeit und denke ein wenig an die Vergangenheit. Die Zukunft lass ich auf mich zu kommen.