Der letzte Tag des Monats

Zumeist bin ich dann total pleite. Dieser Tag ist der Eingangstag meiner Rente. Wenn ich dann aber das Online-Konto anklicke, kann ich davon ausgehen, dass so um halb 10 noch nichts auf dem Konto verbucht ist. Meine beste Zeit, um aktiv zu sein oder zu werden, ist nun mal der Vormittag. Dann schreibe ich auch meine Beiträge, denn vorher habe ich mich schon mal durch die Schlagzeilen gewühlt, um quasi einen Input zu bekommen, was so um mich herum alles passiert oder auch nicht passiert.

Ich hasse es, durch Äußerlichkeiten wie Warten in meinen Aktivitäten ausgebremst zu werden. Ganz schlimm wird es meist, wenn meine Gedanken wieder einmal zu schnell sind und meine Finger beim tippen nicht hinterher kommen.

Heute habe ich mir mal erlaubt, als ersten Artikel aus dem SPON mich auf einen Promi-Namen zu stürzen, denn dieser Musiker gehört nun mal zu den wenigen derzeitigen Künstlern, denen ich ohne Einschränkungen zuhören kann, zumal die Schlagzeile sich nicht nur auf ihn bezieht, sondern noch einer Künstlerin mitgewidmet ist, welche selbst schon außergewöhnlich ist. Zuerst habe ich nur an eine Boulevard-Nachricht gedacht, wurde dann aber insofern angenehm enttäuscht, denn dies war es ganz sicher nicht, trotz der reißerischen Überschrift.

Richtig konzentrieren kann ich mich an so einem Tag nicht. Warten und Schlagzeilen lesen lenkt wohl ein wenig ab, aber wirklich nur wenig. Meine Gedanken sind bei den inzwischen unvorstellbaren € 615.—Rente, von denen gleich wieder € 149 überwiesen werden müssen für die Kranken- und Pflegeversicherung. Theoretisch müsste ich sogar noch € 125.—zur Rente dazurechnen, denn dies sind die ‘Wohnkosten’ für das Obdachlosenasyl hier in Passau, was aber für meine Wenigkeit vom Grundsicherungsamt getragen und direkt überwiesen wird (rechte Tasche, linke Tasche im Stadtsäckel der Kommune).

Ich bin jetzt also ein ‘wohlhabender Bürger’, gesponsert von der Allgemeinheit, wenn nur nicht die ewige Rechnerei für den ganzen Monat im voraus wäre. Gut, werden jetzt schon mal einige sagen, es gibt Menschen, die haben noch viel weniger. Stimmt, gibt es. Aber es gibt auch Menschen, die zum Beispiel in dieser Minute noch weniger als ich auf die Beine stellen und in der Sekunde zigtausende von €uros ‘verdienen’, ohne auch nur eine Millisekunde produktiv zu sein. So was kann so manchen Menschen schon mal ins Grübeln bringen.

Abfinden oder gar akzeptieren kann ich meine Situation so einfach nicht, auch wenn sie derzeit Fakt ist, obwohl ja mal eine Frau von der Leyen vor einiger Zeit für Schlagzeilen sorgte, dass die sogenannte Hunger-Rente sich schnellstens ändern müsse. Doch wir haben €uro-Krise, auch wenn ich die Krise eher bei den Politikern des €uroraumes sehe, als in der direkten Währung. Aber vielleicht erlebe ich ja doch noch eine positive Veränderung des Rentensystems, man soll ja die Hoffnung nie aufgeben.

Nach allen Ausgaben für den Dezember bleiben mir noch € 150.—, fröhliche Weihnacht wünsch ich mir nun selbst.