#KTG – Noch nicht mal ein Jahr ist um – ein ungleicher Vergleich

Neuer Stern am Polithimmel in Berlin, blaublütig, immer frisch geölt, CSU-Generalsekretär, Bundes-Wirtschaftsminister, Bundes-Verteidigungsminister, Plagiator.

Eine Frage wurde mir überraschend per Mail gestellt:

Mein Eindruck zu der aktuellen Guttenberg-Sache ist, dass ihm da PR Berater gesagt haben, er müsse das Gel weglassen und die Brille, um sympathischer und nicht so aalglatt und adelig zu wirken.
Meine Vorhersage: Jetzt faselt er noch ne Weile Sachen, über die die Bevölkerung auch so denkt (siehe seine Kritik an den europäischen Politikern) und die Presse erzählt uns ne Weile mal mehr, mal weniger unterschwellig, wie sehr er sich ja verändert hat und in einigen Jahren wird er dann irgendwas Hohes in der CSU. Kanzlerkandidat oder so. Quelle: Mail von G.Danken

Zuerst konnte ich nichts mit der Frage anfangen, da dieser Herr nach seinem Abgang in die USA für mich keine Relevanz mehr hatte. Dann fing ich an, nachzudenken, las den Bericht im SPON. Das Bild zum Bericht zeigt einen äußerlich völlig neuen Menschen, aber reine Fassade hat mich noch nie beeindruckt. Allein schon die ersten Worte des Berichts (“Comeback eines gefallenen Superstars”) zeigen mir, dass die Medien hier schon wieder Aufbauarbeit leisten. Es ist noch nicht mal ein Jahr vergangen, als dieser sogenannte ‘Superstar’, der wahrlich keiner ist, seinen unrühmlichen Abgang hatte. Natürlich hat er ein Recht darauf, sagen wir mal, einfach einigermaßen fair behandelt zu werden und auf das angekündigte Buch, welches er wohl zusammen mit Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur der ZEIT) gemacht hat, bin ich auch gespannt. Sein Auftritt auf dem Halifax Security Forum war wahrscheinlich nur als Ersatzveranstaltung ausersehen, denn eine andere Veranstaltung zum sogenannten Thema Sicherheit fand ja in Berlin statt, was ihm wohl zu viel Öffentlichkeit eingebracht hätte.

Ich habe jetzt mal angefangen, mein eigenes Leben mit seinem zu vergleichen, was natürlich eine sehr subjektive Veranstaltung ist, denn dieser adelige Spross einer relativ ‘alten’ Familie hat nie wirklich Lebens- und Überlebenskämpfe durchstehen müssen. Nimmt man dagegen meine eigene Biographie, sieht die Sache schon ganz anders aus. Der verlinkte Beitrag zeigt nur einen kleinen Ausschnitt, da ich an meiner Gesamt-Biographie noch lange arbeiten werde und erst einige Kapitel in meinem Privat-Blog veröffentlicht habe. Die wenigen Fortsetzungen sind gekennzeichnet.

Guttenberg ist mit dem sogenannten goldenen Löffel auf diese Welt gekommen, hatte immer seine Familie als Rückhalt, brauchte sich nie um bestimmte körperliche und materiellen Probleme sorgen zu machen. Dass auch er in bestimmten Formen hart gearbeitet hat, mag ich ihm bestimmt nicht absprechen, aber es gibt halt schon gravierende Unterschiede zwischen uns. Während es mir nie etwas ausmachte, immer wieder auch von Null an anzufangen, waren seine sogenannten Aufstiegsformen schon quasi von der Familie vorbereitet, geebnet und gelenkt. Auch mein Werdegang sollte bestimmt werden, nur hatte ich in meinen jungen Jahren niemals eine Wahl, meine Bestimmungen wurden mit einer neunschwänzigen Katze ‘untermauert’. Es fiel mir daher auch nicht besonders schwer, mich dagegen aufzulehnen, auch wenn ich Prügel dafür zu erwarten hatte. Lange Jahre, so zwischen meinem 18. und 21. Lebensjahr war ich quasi auf der Straße und musste mich durchschlagen, immer wieder unterbrochen von Knastaufenthalten, denn immerhin hatte ich ja auch die entsprechende ‘Scheiße’ gebaut. Wut hat manchmal seltsame Auswirkungen.

Aber meine Wut hielt auch nicht ewig an und nachdem bei mir Nachdenken einsetzte, fing ich an, neue Wege weg von der kriminellen Laufbahn zu nehmen. Danke an Werner Herzog und seine Mutter Elisabeth, seinen Freund Hans Peter Meier, selbst Filmemacher und Jurist, an Joyce Burke (Schriftstellerin), welche damals in der Türkenstraße in Schwabing wohnte, direkt neben dem Türkendolch (einen damals sehr bekannten Programm-Kino) und mir bei verschiedensten Gelegenheiten ein Dach über dem Kopf bot. Und mehr als ein Dank an Richard und Helga Kurz in Widdersberg bei Andechs, sie wissen, wofür.

KTG dürfte da einen völlig anderen Lebensweg genommen haben und auch seine ‘Erziehung’ dürfte in Bahnen verlaufen sein, die direkt zu einem sogenannten öffentlichen Leben geführt haben. Mit dieser sogenannten ‘guten’ Erziehung hat man natürlich von Haus aus Karriere-Möglichkeiten, welche nicht jedermann beschieden ist, denn man gehört ja zur sogenannten Volkselite. Von der Präambel “Alle Menschen sind gleich” kann da schon nicht mehr gesprochen werden, denn einige sind nun mal gleicher. Leider bin ich kein bekannter Journalist wie Giovanni di Lorenzo und werde wohl nie die Chance bekommen, mit Herrn zu Guttenberg zu sprechen und zu diskutieren, aber meine Meinung werde ich trotzdem sagen bzw. schreiben, obwohl es schon eine tolle Herausforderung wäre, “der Penner und der Baron”.

Dass er jetzt schon wieder für Wirbel sorgt, besagt eigentlich nur, dass es in der CSU, seiner Parteiheimat, nicht zum Besten steht und man ihn wohl gebeten hat, sein selbstgewähltes Exil in den USA schnellstens wieder aufzugeben und sich wieder in die Partei offensiv einzubinden.