Die Türken, bald wieder vor den Toren Wiens?

Es ist schon ein seltsames Gefühl, solch einen Titel in einer Zeit zu schreiben, wo es in €uropa nicht mehr um Eroberungskriege im klassischen Sinne geht, sondern eher um Scharmützel für oder gegen den €uro. Ich beobachte aber seit längerer Zeit, dass die Türkei Machtgelüste entwickelt, die so gar nicht in unsere Zeit passen und nenne sie für mich persönlich ‘osmanische Träume’, die sich aber als sehr gefährlich erweisen können, wenn man sie als Gemeinschaft, wie €uropa nun mal eine ist, einfach übersieht oder nicht bemerken will, denn in den Medien werden sie offiziell überhaupt nicht angesprochen.

Türkei

Ankaras Hegemonie-Gerangel um das Mittelmeer

Die türkische Regierung hat Probleme mit Israel, mit Zypern und nun auch mit der EU. Grund ist der Streit um Einfluss im Mittelmeer. Ein Gastbeitrag

© TAL COHEN/AFP

Aus Ankara kommen zuletzt forsche Ansagen. Man wolle die Beziehungen zur EU einfrieren, falls Zypern im Juli 2012 die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, drohte der türkische Vizepremier Atalay am Sonntag. Zumindest, falls es bis dahin keine Friedenslösung für Zypern gäbe. Anfang September verkündete Außenminister Ahmet Davutoğlu, man wolle fortan die „Freiheit der Schifffahrt“ im östlichen Mittelmeer garantieren. „Höchste Zeit für einen Flugzeugträger“ zitiert dazu die Istanbuler Nachrichtenagentur İhlas den früheren Marine-Kommandeur Salim Dervişoğlu. Ein Schritt, der sich gegen Israels Regierung richtet, die sich nicht für die Tötung von neun türkischen Aktivisten entschuldigen will, die vor einem Jahr im Rahmen einer internationalen Flotte die Seeblockade des Gaza-Streifens durchbrechen wollten.

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Das alte osmanische Großreich schwebt seit langem schon über der derzeit regierenden AKP-Partei von Premier Erdogan, nur wurde es noch nie so deutlich zum Ausdruck gebracht wie mit der Entmachtung der Armee-Führung vor wenigen Wochen. Man braucht eigentlich nur eins und eins zusammen zu zählen, um auf eine Summe zu kommen, welche dieser Herr Erdogan zu errechnen versucht.

Griechenland, der sogenannte Erzfeind, ist wirtschaftlich und finanziell am Boden, aber die Wirtschaft in der Türkei boomt in einem ungeahnten Ausmaß.

Andere Mittelmeer-Staaten geht es nicht viel besser (Italien, Spanien, Portugal, aber auch die nordafrikanischen Staaten wie Ägypten, Libyen und Tunesien sind politisch im Chaos versunken) und alle standen mal irgendwie unter dem Einfluss des Groß-Osmanischen Reiches. Außerdem ist Israel, dass diesen Machtgelüsten durchaus im Wege stehen könnte, so mit den Palästinensern beschäftigt, da kam der Angriff auf eine aus der Türkei gestartete Hilfsflotte für den Gazastreifen gerade recht, um diesen nicht-islamischen Feind quasi ins Abseits zu stellen.

Der umfassende Sieg der AKP bei den letzten türkischen Wahlen hat wahrscheinlich den Ausschlag gegeben, um die immer im Hinterkopf der Türken bestehenden Hegemonie jetzt in den Vordergrund treten zu lassen. Dies sind natürlich alles Spekulationen von mir, aber durch die vielen kleinen Puzzleteile durchaus denkbar und hat von meiner Seite auch keinen sogenannten Türkenhass als Grundlage, sondern ergibt sich einfach aus meinen sogenannten ‘Beobachtungen’ verschiedenster ‘Ereignisse’.

Der derzeitige Besuch des türkischen Präsidenten Gül mit seinen auch sehr direkten Forderungen ist, wie gesagt, auch nur eines von vielen Puzzleteilen, aber auch die Tatsache, dass die Türkei als ‘Boomtown’ selbst mit ihren eigenen Leuten nicht gerade zimperlich umgeht, sollte nicht außer acht gelassen werden.

Für mich persönlich steht fest, die Türkei ist zurück auf einem Weg zu einer Großmacht, die möglicherweise ziemlich unberechenbar werden kann.

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

13 Kommentare

  1. Okay, wenn man es aus der Antalya-Perspektive sieht, kommt einen das vielleicht so vor. Wenn man aber die Türkei außerhalb der Touristenpfade länger bereist hat, sieht das schon etwas anders aus. Ich wundere mich eh, dass die EU-Mitgliedschaft von Seiten der Türkei wieder hervorgeholt wurde, da nicht mal türkische Geschäftsleute sie noch haben wollen. Und ich bin mir da gar nicht so einig darüber, ob Gül es wirklich ernst damit gemeint hat. Und was die Zeitungen so schreiben? Na, das glaube doch wer will. Alles steht unter dem Vorzeichen: Furcht vor dem Islam verbreiten und vor den Türken insbesondere. Sorge dich lieber über China. Die haben im Gegensatz zu den Türken die Blaupausen unserer Technologie. Die Türken habe große Probleme – und zwar Armutsprobleme – die Hand in Hand mit Anschlägen gehen. Es kommen nicht alle in unseren Medien vor. Wie schon gesagt, die Türken, die „wirklichen Türken“ (es gibt so viele Volksgruppen dort bis hin zu den Nachfahren von Tschingis Khan), stehen hinter Erdogan und wollen ein stabiles Land. Das kann der ganzen Welt nur Recht sein. Für eine Expansion hätten sie zwar die militärischen Mittel, die sind aber für die NATO gebunden und – nicht zu vergessen – in den kurdischen Gebieten, wo es eine Übermacht an Militär gibt. Ich glaube die Türkei ist ein viel zu vielschichtiges Land – zwischen althergebrachten Traditionen und Moderne – dass man aus irgendwelchen Links nichts herleiten kann. Wir sind hier zu uninformiert (und wenn oft fehlinformiert) und haben keine Ahnung von diesem Land. Mal ein Strandurlaub hilft da nicht weiter.

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