Bin ich eigentlich unverschämt?

Fünf Monate jetzt in der Danziger Str. in Passau, Chancen, hier rauszukommen praktisch Null. Meine Betreuerin, welche mir auf eigenen Wunsch vom Gericht zugewiesen wurde, ist nur bedingt Einsatzbereit, schon zu Beginn ihres Einsatzes machte sie nach 2 Tagen gut drei Wochen Urlaub und war nur sporadisch über Mail erreichbar. Ich habe das Betreuungsgericht damals um diese Betreuung gebeten, weil ich durch meine Parkinson-Erkrankung besonders in Bezug auf Behörden mir nicht mehr zutraute, ein objektives und ruhiges Verhalten an den Tag zu legen. Parkinson kann die Persönlichkeit schon ziemlich verändern.

Als die Betreuerin dann aus dem Urlaub zurück kam, setzten wir uns zusammen und sprachen über vieles, natürlich auch über ihren Einsatz. Als erstes stellte sich heraus, dass sie keine Einsätze mit ihren Probanden fahren könnte, da sie keine Versicherung für Personenbeförderung hatte. So etwas war mir bisher nicht bekannt, aber ich habe es hingenommen. Ich bat sie nur, mich in bestimmten Abständen mit Getränken zu versorgen (billiges Wasser und billiges Cola), was sie mir zusagte, dann aber gleich zweimal nicht einhielt. Andererseits hat sie mir sofort mit Geld ausgeholfen, als mein Konto wegen Pfändung gesperrt war und es eine gewisse Zeit dauerte, dieses Konto in ein P-Konto umzuwandeln.

Natürlich ist mir bekannt, welch geringen Honorarsatz Betreuer vom Staat bekommen und darum sind Berufsbetreuer auf eine bestimmte Anzahl an Klienten angewiesen, bei ihr sind es so um die 35 Klienten, aber im Zeitalter der E-Mail erwarte ich dann doch, dass man mich wenigstens kurz informiert, wenn man mal keine Zeit hat, aber mich statt dessen ohne Infos einfach ignoriert. Als dann vor ca. 4 Wochen aus heiterem Himmel eine Mail kam, dass sie mir am nächsten Tag Getränke vorbei bringt, war ich schon etwas überrascht. Nur waren es dann prompt die falschen Flaschen, denn der Endbetrag lag 12 €uro über meinem Budget-Betrag. Als ich ihr dies bei unserem nächsten Treffen sagte, schien sie schon ziemlich beleidigt zu sein und forderte mich auf, in Zukunft jeden Tag zum Einkaufen zu gehen und halt immer nur eine Flasche mit zu nehmen. So kann man Probleme natürlich auch lösen. Leider bin ich rein körperlich nicht mehr so in der Lage, täglich einkaufen zu gehen, zumal mein Hausarzt mir beim letzten Mal die falschen Schmerztabletten verschrieben hat.

Bei diesem Treffen teilte sie mir auch mit, dass sie wieder in Urlaub fahren würde, im Ausland sei und erst Anfang September zu erreichen sei. Nur knapp eine Woche nach ihrem Urlaubsbeginn bekam ich dann Post von ihr, bei welcher sich meine neue Krankenversicherungskarte aus Passau befand. Dabei stellte sich mir natürlich die Frage, wie es sein kann, wenn sie im Ausland ist, woher die Post mit ihrem privaten Poststempel kam, wenn sie doch gar nicht erreichbar war. Ich schrieb ihr am 22. Aug. eine Mail, um mich erstmal zu bedanken und hatte dabei noch eine wichtige Frage:

Hallo Frau XXXX,

DANKE für die Übersendung der AOK-Karte. Leider geht aus dem Anschreiben nicht hervor, ob ich für den Rest des Jahres von der Rezeptgebühr befreit bin oder nicht, denn auf mich kommen hierzu wieder einige Kosten zu.

Wegen des Termins mit Herrn Dr. Gradel habe ich bisher noch keine Rückmeldung bekommen.

MfG

Auf diese Mail habe ich bisher keine Antwort bekommen, obwohl diese Frage schon relativ wichtig ist, denn fast alle Medikamente, welche ich nach dem Herzinfarkt nehmen muss, sind aufgebraucht und bei der relativ langen Liste der Medikamente kämen dann einige Kosten auf mich zu.

Die Richtlinien für Berufsbetreuer sind wie in vielen sozialen Berufen eigentlich katastrophal, andererseits erwarte ich, wenn ich mich für einen Beruf entschieden habe, auch ein gewisses Maß an Engagement, so habe ich persönlich es in meinen Berufen, welche ich ausübte, immer gehalten, denn auch ich hatte Zeiten, in denen ich wenig verdiente und doch immer vollen Einsatz zeigte.

Bedauerlich ist leider auch, dass unter unseren Lesern keine Kapazitäten auf dem Gebiet des Rechts sind, die möglicherweise hier einfach mal rein aus Menschlichkeit eingreifen könnten. Wir im FIWUS können noch so sehr über Menschlichkeit und Menschenwürde schreiben, positive Resonanzen sind bisher von Könnern nicht eingetroffen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Noch sind wir nicht in einer Diktatur angekommen, aber viel fehlt wirklich nicht mehr. Was dann an Selektion durchgeführt wird, sollte sich jeder selbst mal ausmalen, denn dass hatten wir alles schon einmal. Ich bin wohl inzwischen leider alt geworden und habe auch meine bescheidenen Ansprüche auf ein Minimum zurück geschraubt, aber blöd bin ich dadurch bestimmt nicht geworden, also schreibe ich gegen diese Ungerechtigkeiten weiter an.