Dem Abgrund entgegen

Meinen letzten Beitrag habe ich am 15. August geschrieben, in der Nacht auf den 17. August musste ich mich ab 23:00 Uhr bis ca. 07:00 Uhr in der Früh mit schlimmen Magenschmerzen rumschlagen, weil mein ‘Hausarzt’ der Meinung war, er müsste ein Medikament, was ich sehr gut vertrug, ändern und mir aufs Auge drücken.

Meine sogenannte Schreibblockade hat aber damit wenig zu, denn sie kam sehr überraschend und stellte mich vor die schier unüberwindliche Situation, ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und ihn dann auch noch nieder zu schreiben. Ich habe einige Beiträge wohl angefangen, aber schon nach wenigen Worten und Sätzen musste ich ganz einfach abbrechen, das Gehirn hat einfach abgeschaltet und mich im Stich gelassen und dabei wären einige Themen bestimmt zu behandeln gewesen. Ich schaute aber nur in unendlich tiefe Abgründe, konnte keinen Boden erkennen. Ich schätze mal, es war oder ist schon mehr als eine ausgewachsene Depression.

Die Frage, warum ich eigentlich schreibe, taucht immer wieder auf. Der Mangel an Motivation ist aber auch begründbar und dabei nicht nur in meinen eigenen sogenannten Sorgen zu suchen. Vier Monate in der Danziger Str. sind nicht gerade motivationsfördernd, obwohl ich bis auf ganz wenige Ausnahmen in diesem Haus in Ruhe gelassen werde. Nur leider sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels, was eine eigene Wohnung angeht. Mir fehlt sogar der Biss, den ich seit meinem Weggang aus dem Saarland wieder an den Tag gelegt hatte. Wer jetzt anführt, ich hätte ein zu großes Anspruchsdenken, dem kann ich nur erwidern, dass die wenigen Ansprüche, die ich noch ans Leben stelle, ganz einfach gerechtfertigt sind. Eine kleine Wohnung mit ein oder zwei Zimmern, einer Kochgelegenheit, eine Dusche oder Badewanne sind für mich relativ normale Ansprüche. Ich gehe schon länger mit einem Beitrag schwanger über den Wunsch des Menschen, sich in immer größeren Behausungen einzurichten, von der normalen Wohnung über das Haus, die Villa bis hin zum Schlössern mit unzähligen Räumlichkeiten und den dazu gehörigen Parks oder Gärten.

Solche Ansprüche habe ich schon lange nicht mehr, auch der Anspruch auf Besitz hat sich in meinem eigenen Kopf schon lange relativiert. Einen Beitrag zum Thema Besitz liegt angefangen schon auf dem Computer, aber ich komme einfach nicht weiter, weil wenn ich ihn dann aufrufe, kann ich mir gar nicht vorstellen, dies auch geschrieben zu haben.

Beiträge finden und sie dann lesen kann sehr befriedigend sein, so wie heute im Spiegel. Gedanken über diesen Zustand habe ich mir vorher eigentlich nie gemacht, besonders als ich im Februar mein sogenanntes ‘Zuhause’ im Saarland aufgab.

Regale mit Büchern, Zeitschriften und eine ganze DVD-Sammlung, bestimmt eine halbe Tonne technischen Krimskrams, eine Ledercouch mit Couchtisch, eine relativ voll ausgestattete Küche und auch die Waschmaschine blieben zurück. Die Klamotten wurden radikal reduziert.

15.07.2011

Minimalisten

Haste nix, biste was

Von Benjamin Schulz, Rednitzhembach

Teurer Urlaub, neueste Mode, Schränke voller Nippes? Für Minimalisten ein Graus. Sie arbeiten an der Vereinfachung ihres Lebens – und liegen damit im Trend. Immer größer wird die Zahl der Menschen, für die weniger tatsächlich mehr ist.

Wer Alex Rubenbauer etwas schenken möchte, hat es schwer. Ein Windlicht, eine DVD, eine Pflanze – „sinnlosen Krempel entsorge ich nach kurzer Zeit“, sagt der 23-jährige Abendschüler aus Rednitzhembach bei Nürnberg. Rubenbauer will nicht unhöflich sein. Aber konsequent. Konsequent minimalistisch.

Quelle: Hier weiterlesen

Es war eine spontane Entscheidung. Was sollte ich noch mit dem ganzen Kram in meiner Situation? Ich musste aus Neunkirchen weg, ich habe diese Stadt, besonders auch nach dem Tod von Cira, nicht mehr ertragen können. Mein sogenannter Besitz war soviel Wert wie ein Schneeball in der Hölle und der Rest, den ich dann nach Graz mitnahm, füllte einen ganzen Mercedes T, war also auch noch zu viel, aber darauf konnte ich einfach nicht verzichten.

Natürlich wäre es am einfachsten, wenn alles Persönliche in zwei Umhängetaschen passen würde, aber diesen Balanceakt zwischen Kompromiss und Vergangenheitsbewältigung werde ich einfach noch eine Weile mit mir rumschleppen.

Ich hab schon mit weniger gelebt, so zwischen 1965 und 1970, als ich in Köln auf der Straße lebte und keine Nacht eigentlich wusste, wo ich schlafen sollte und es auch manche Nächte nicht tat. Aber wenn ich so zurück denke, dann muss ich auch schmunzeln, denn ich war zu dieser Zeit, so zwischen 18 und 23 Jahre alt, einer der am besten angezogensten Penner in Köln. Klamotten waren relativ leicht zu besorgen zu dieser Zeit, besonders neue.

Dieser unfertige Beitrag liegt jetzt schon mehr als 3 Wochen in unfertigem Zustand rum, ich weiß einfach nichts mehr damit anzufangen, jetzt habe ich ihn hier eingebaut als nur ein Beispiel, wie ich mich fühle. Der STERN hat in einem Artikel ein Thema angerissen, was eigentlich schon lange bekannt sein müsste, aber offensichtlich nur zum journalistischen Sommerloch taugt. Über längere Zeit habe ich jetzt geglaubt, meinen eigenen BURN-OUT hinter mir gelassen zu haben, aber ich mache mir selbst was vor. Als die ersten Anzeichen eines Burn-Out sich bei mir im Jahre 2005 zeigten, habe ich sie, wie üblich, erst mal nicht besonders ernst genommen und darum wurde diese sogenannte Krankheit auch nie behandelt. Das liegt auch daran, dass ich Psychologen und Psychiatern nicht besonders viel zutraue. Als ich 2008 wieder anfing, zu schreiben, ging es in erster Linie um mich und meine seelischen Zustände, erst einige Zeit später fing ich an, nach den Ursprüngen zu suchen, denn die äußerlichen Faktoren nehmen ja auch in einem ganzen Leben einen großen Platz ein.

Ich habe ja jetzt auch Zeit genug, besonders die äußeren Auslöser für einen Burn-Out zu finden, denn über die Inneren bin ich mir schon seit einiger Zeit einigermaßen im Klaren. Immerhin habe ich angefangen, darüber zu schreiben, in Fortsetzungen. Die weiteren Fortsetzungen in diesem Blog sind gekennzeichnet und werden in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt, denn der FIWUS ist nun mal die wichtigste Plattform für meine Beiträge, denn gegenüber meinen Mit-Autoren habe ich nun auch eine Verpflichtung, den FIWUS am Leben zu erhalten. Solch eine Art der Verantwortung habe ich immer gebraucht und auch gesucht und bin sie auch UNSEREN Lesern schuldig.

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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