AlterKnacker´s Streiflicht Nr.4

In Bayern sind seit dem Wochenende Ferien und es wird wieder mal eine große Flucht vor dem Wetter geben. Ich habe mir gerade einen Stick mit Musik in den Player gesteckt und meine eigene Zusammenstellung gestartet, 80er und 90er Jahre und natürlich auch was aus den 60er und 70er, als Musik noch nicht aus dem Computer kam und wirklich von Hand gemacht war.

Heute brauch ich Inspiration, denn ich bin ein wenig melancholisch, aber nicht depressiv. Gestern Abend kam ein ein Anruf von einer Freundin aus Neunkirchen, die ich eigentlich schon abgeschrieben hatte. Natürlich war ich erstmal überrascht, aber nachdem wir die Missverständnisse relativ schnell geklärt hatten, wurde es ein sehr erfreuliches Gespräch, auch mit viel Lachen, denn auch wenn es ihr, wie mir, so gar nicht im Leben gut erging, so versuchen wir doch beide, das Positivste aus diesen Leben heraus zu holen. Alex ist gerade mal 33, hat aber immerhin für diesen Staat auch 4 Kinder in die Welt gesetzt und dafür gesorgt, dass wir Deutschen doch nicht so schnell aussterben. Ha Ha, ein Brüller, diese Aussage.

Was mir fehlt, sind Freunde, wie ich sie früher in München hatte und Plätze, an denen ich willkommen war und mich wohlfühlte. Ich bin noch zu kurz hier in Passau und bei solchen Gedanken bin ich inzwischen immer wieder ungeduldig, weil ich weiß, dass dieses Leben irgendwann zu Ende geht. Der Herzinfarkt hat mir diese Grenze einfach zu deutlich aufgezeigt, aber noch lebe ich und will auch noch, so lange die Pumpe mitmacht, den Rest genießen, so lange es geht.

Wirklicher Besitz ist mir inzwischen nicht mehr wichtig und wenn ich daran denke, was ich früher alles angestellt habe, um dies und das in meinen Besitz zu bringen, dann könnte ich mir heute noch dafür in den Arsch treten. Was ich heute noch als Besitz bei mir habe, ist insofern notwendig, weil ich es auch effektiv nutze und wenn man es auf einen Haufen stapeln würde, käme gerade mal ein Kubikmeter raus. Als ich Neunkirchen verließ, waren es einige Kubikmeter mehr und ich hätte für den Umzug damals einen LKW gebraucht.

Der Mensch und die Hatz nach immer mehr Besitz ist ja eigentlich ein wirklich großes Thema, nur nicht für mich mehr, hoffe ich doch sehr, denn natürlich ertappe ich mich immer wieder mal dabei, mir etwas anzuschauen und dabei zu denken, Mensch, dass willst du jetzt auch haben, aber dann meldet sich mein Gehirn und macht mich darauf aufmerksam, dass es eigentlich doch nur Verschwendung von Zeit und Geld ist, denn der Nutzen wiegt dies alles nicht auf und mitnehmen werde ich sowieso nichts. Natürlich bin ich in manchen Situationen immer noch Kind, wenigstens im Denken und dass führt mir verführerisch immer wieder vor Augen, was mir in meiner Kindheit so alles entgangen ist, wenn ich es mir nicht geklaut habe, aber dass kommt ja heute für mich nicht mehr in Frage, aber nicht allein aus der Tatsache heraus, dass es verboten ist. Ich brauch es wirklich nicht mehr, wenn es mein Leben nicht bereichert, nicht meinen Besitz.

Lebensbereicherung bedeutet für mich, Erkenntnisse über Dinge zu gewinnen, die meinen Kopf noch nicht erreicht haben, Wissen und Erkenntnisse zu erlangen, um wenigsten irgendwann sagen zu können, ich hab wohl immer gelernt, aber ich hab mich wenigstens bemüht, nicht nur blöd durch die Landschaft zu trampeln.

Die derzeitige Finanzkrise weltweit, aber besonders in den USA, geht mir eigentlich am Arsch vorbei, denn was das gespielt wird, kommt mir immer mehr als wirklich dumme Kinderei im Sandkasten vor und auch ich beteilige mich mit verschiedensten Beiträgen daran, obwohl ich bestimmt am wenigsten zur Lösung beitragen kann, aber Ungerechtigkeit ist nun mal ein Thema, welches mich mit Vollgas auf die Palme jagt. Aber Ungerechtigkeit werde ich allein nicht abschaffen können auf dieser Welt und selbst wenn ich Stimmen im Hunderttausendbereich dafür sammeln könnte, wären es doch einfach zu Wenige und wir wären zu Schwach, denn die sogenannten ‘Geld-Eliten’ haben einfach die besser ausgestatteten finanziellen Möglichkeiten. Dass heißt aber jetzt nicht, dass ich einfach resigniere, ich habe einfach nur Fakten aufgezeigt und meine Grenzen erkannt. Ich werde weiter machen und auch ‘kämpfen’ im FIWUS und das hoffe ich auch von meinen Mitstreitern. Die Realität soll und wird mich hoffentlich noch lange begleiten, auch wenn sie nicht optimal für uns Menschen ist.

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.