Es tut mir leid, eine Rechnung bisher nicht bezahlt zu haben, …

… aber ich hatte Gründe, die sich bestimmt nicht jeden sofort entschließen werden. Jetzt habe ich eine Betrugsanzeige am Hals. Ich will aber diese Rechnung in den nächsten 4 Monaten abstottern, denn anders geht es nicht bei 480 €uronen Rente. Die Tierklinik in Zweibrücken bekommt ihr Geld, denn ca. € 150.– sind kein Betrag, den ich ‘Unterschlagen’ will, außerdem haben sie meinen Hund von seinen Leiden erlöst.

Am 07.01.2011 musste ich meine Dobermann-Dame Cira (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2011/05/09/augen-die-ganze-bibliotheken-sprechen-lassen/) einschläfern lassen und es wäre eigentlich schon früher dazu gekommen, wenn das Wetter zu dieser Zeit (Glatteis über Wochen) anders gewesen wäre. Hinzu kommt auch noch, dass ich es mir einfach finanziell nicht möglich war (Grundsicherung – Erwerbsunfähigkeitsrente, ist übrigens genau so hoch wie ein Hartz IV-Regelsatz). Ich war in dieser Zeit des Glatteises selbst rein körperlich nicht in der Lage, das Haus zu normalen Spaziergängen zu verlassen, da ich an Parkinson leide, denn diese Krankheit beeinträchtigt auch den gesamten Bewegungsapparat, es ist, als läuft man auf rohen Eiern.

Cira war seit dem 25.08.2002 mit mir zusammen, sie war zu dieser Zeit 7 Monate alt und ich war seit dem 01.08.2002 in Neunkirchen nach der Trennung von meiner damaligen Frau (Scheidung im April 2004). Der Absturz aus einem Beruf mit relativ guten Einnahmen (im Durchschnitt zwischen 8.000 und 9.000 €uro pro Monat) im Mai 2002 bewirkten relativ schnell die Trennung von der Frau, denn ich kostete, aber brachte nichts mehr ein.

Neunkirchen war von Anfang an die Hölle für mich, denn diese Stadt und auch die dort lebenden Menschen, wir haben niemals zueinander gefunden und dass ist sehr milde ausgedrückt. Nur durch Cira kam es niemals zu Übergriffen. In den ersten drei Jahren bin ich auch sehr viel mit Cira zu Fuß unterwegs gewesen in langen Spaziergängen. Dann kam der wirkliche Zusammenbruch rein psychischer Natur (heute sagt man Burn-Out-Syndrom dazu) und ich verließ meine Wohnung nur noch, um mit Cira rauszugehen, zum Einkaufen, oder wenn sonst ein wichtiger Termin wie Arzt oder Amt anstanden. Ansonsten war ich über das Internet mit der restlichen Welt wohl verbunden, oder ich hatte mal kleine Einsätze für billiges Geld, wenn jemand einen ‚kaputten’ Computer hatte, denn bis 2002 habe ich in der IT-Branche 10 Jahre lang gearbeitet, davon allein 5 Jahre als freier Supporter.

Der Absturz zuerst in die Sozialhilfe, dann in Hartz IV ab 2005 haben mich zumindest rein körperlich, aber auch seelisch in ein Wrack verwandelt, aus dem ich mich erst ab dem Zeitpunkt 2008 insofern befreien konnte, als dass ich anfing, zu schreiben und im Internet zu veröffentlichen. Was ich bis heute auch mache. Dabei geht es heute nicht mehr darum, irgend etwas zu verdienen, es geht darum, mit anderen Schreibern zusammen eine Seite im Internet am Leben zu erhalten mit freien Meinungen und auch Standpunkten (http://freies-in-wort-und-schrift.info/), welche nach einem Jahr so um die 100.000 Zugriffe hat. Wir werden also gehört.

Mein größtes Problem aber war die ganze Zeit in Neunkirchen, wie komme ich aus dieser Stadt wieder weg, denn mit Hartz IV ist so was einfach unmöglich. Allein 20 Jahre in München und dort in der Filmbranche tätig haben mein Leben mehr als geprägt (von 1970 bis 1990, ab dann in Frankfurt/Main bzw. Kronberg/Ts.). Dieses Problem glaubte ich gelöst, als sich im Dez. 2010 ein ehemaliger Kollege (Kameramann und Produzent) und Freund nach 10 Jahren wieder meldete, aus Österreich. Dieser Freund holte mich am 25.02.2011 mit dem Auto ab und brachte mich nach Graz, wo ich glaubte, einen Neuanfang hinlegen zu können. Kann hier (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2011/03/05/adieu-deutschland-2/) und hier (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2011/03/30/grandios-gescheitert/) nachgelesen werden.

Dass ich die restliche Summe für die Einschläferung von Cira bisher nicht bezahlt habe, bedauere ich und werde es auch in Raten nachholen, aber dafür gibt es schon als ersten Grund nicht nur mein Scheitern in Österreich, sondern auch ein Herzinfarkt am 12.04.2011 hier in Passau, nachdem man mich am 08.04.2011 in das Obdachlosenasyl in der Danziger Str. eingewiesen hatte, in dem ich bis heute existiere. Meine Rente ist inzwischen auf die gigantische Summe von € 480.—gestiegen (ein Plus von 0,99%) und ich suche immer noch eine bezahlbare Wohnung. Ich habe seit dem 08.04. gerade mal 4 warme Mahlzeiten genossen, wenn ich es mir leisten konnte oder wollte oder wie auch immer. Mein wichtigster Besitz ist mein kleiner Computer mit einem Surf-Stick und den habe ich, wenn ich mal in die Stadt komme, auch immer dabei. Ansonsten verlasse ich auch dieses Haus nur kurz zum Einkaufen. Zur Zeit liegt bei mir auch noch eine Kontopfändung vor, die ich aber Gottseidank nächste Woche dadurch abwenden kann, als dass ich mein Konto jetzt in ein P-Konto umwandeln lasse, was dieses Konto jetzt kostenpflichtig macht, da es vorher kostenlos war.

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.