AlterKnacker´s Streiflicht Nr.3

Vor knapp einem Jahr habe ich den (das) FIWUS gegründet in der Absicht, meinen Teil an Überlegungen und Gedanken über Gott (den übrigens am wenigsten) und die Welt den geneigten LeserInnen näher zu bringen. Das Schreiben von Texten ohne äußeren Anlass ist bei mir immer noch im Anfangsstadium, denn auch wenn ich viel lese, und dies schon seit meinem siebten Lebensjahr und sogar dafür verprügelt wurde, weil ich andere, mir zugewiesene Aufgaben vernachlässigt habe, hat es mich genau in dieser Beziehung nur stärker gemacht und ohne Lesen ist für mich ein normales Leben gar nicht vorstellbar.

Wenn ich nicht besonders gerne über Gott oder überhaupt über einen Gott schreibe, so ist dass allein der Tatsache geschuldet, dass dieses sogenannte Wesen, wie es in der Bibel oder dem Koran oder auch dem Talmud dargestellt wird, für mich nicht besonders greif- und begreifbar ist. Glaube an ein höheres Wesen ist für mich mit dem Wunsch nach einem fetten Lottogewinn vergleichbar. Oft schlafe ich ganz bewusst damit ein, wie es wäre, einen Sechser im Lotto zu haben und was ich dann damit alles anstellen könnte, nur halten diese Gedanken und Träume nie richtig vor und der neue Tag bringt sehr schnell wieder die Ernüchterung der unbarmherzigen Realität. Aber auch wenn meine Ratio mir sagt, solche Gedanken und Träume sind sinnlos, sie machen aber auch immer wieder mal Spaß und wenn ich so an diese Zeiten in der Vergangenheit zurück denke, dann haben sich meine Wünsche und Hoffnungen doch schon erheblich gewandelt.

Wo vor 30 Jahren noch rein materielle Hoffnungen den Vorrang hatten mit einer ganzen Menge sogenanntes ‘Spielzeug’ (Haus, Auto, Stereoanlage usw.), so haben sich im laufe der Zeit bis heute eine große Anzahl Veränderungen ergeben rein über das Materielle hinaus. Aus dem Haus ist inzwischen zum Beispiel ein relativ kleine Zweizimmerwohnung geworden mit minimaler Einrichtung. Schön wäre dies in einer ruhigen Umgebung und Menschen in der Nähe, die einfach freundlich sind. Menschenmassen waren mir eigentlich schon immer ein Gräuel, auch wenn ich lange in Großstädten gelebt habe, aber zu diesem Zeitpunkt brauchte ich auch noch einen gewissen Lebensrhythmus, einen Herzschlag, eine sogenannte Power aus meinem Umfeld, das Stamm-Café, die Stammkneipe, besonders wie in München die Leopoldstraße mit den vielen Straßencafés. Bestimmte ‘Läden’ brachten mich mit Menschen zusammen, die auf meiner sogenannten Wellenlänge waren, denn Kommunikation war auch ein wichtiger Bestandteil in meinen Leben. Ist es natürlich auch heute noch, nur bin ich inzwischen noch wählerischer geworden als in jungen Jahren.

Als ich durch einen Zufall von der Schließung der berühmten “Schwabinger 7” erfuhr, war ich zuerst einmal nur traurig, aber dann hat mich in diesem Beitrag ein Wort in Bann geschlagen, dass ich bisher noch nicht kannte, ‘Gentrifizierung’. ‘Gottoderwerauchimmerseidank’ gibt es Wikipedia, denn solche Fremdwörter kann man nur dort nachlesen. Die Zeiten (1954-1962), als ich noch die Schule besuchte, sind schon lange dahin und ich hätte mehr als ein Königreich dafür gegeben, schon damals einen Computer mit Internetanschluss zu besitzen, denn lernbereit und auch fähig war ich schon immer, nur oft genug einfach zu faul, um dieses Lernen auch wirklich zu nutzen.

Dass München sich in den letzten 25 Jahren erheblich verändert hat, ist für viele normal, aber an uns, die wir von Beginn der 70er Jahre dort gelebt und gearbeitet haben, sind diese Veränderungen auch nicht einfach spurlos vorüber gegangen, nur wurden und werden wir älter und damit auch klappriger, aber bestimmt nicht immer weiser. Es gibt einen Rock N´Roll, den kann man niemals aus dem Ohr bekommen. Die derzeitige Generation hat davon keine Vorstellungen mehr, aber auch keinen Respekt, andererseits waren wir jetzt Alten auch oft genug respektlos in den letzten 30 Jahren des vorigen Jahrhunderts, aber wir hatten wenigstens 15 Jahre ein Sexleben, von dem man auch im jetzigen Alter immer wieder träumt, denn Aids kam erst so ab 1985.

Ganz besonders kann ich mich auch an Zeiten erinnern, wo der Begriff ‘Karriere’ wohl bekannt war, aber nicht diese Rolle spielte wie heute. ‘Live fast, die young’ galt für eine bestimmte Anzahl Künstler wie Brian Jones oder Jimi Hendrix und andere Größen, die wir wohl zum Teil bewunderten, aber nicht nacheiferten. Einige Stunden im Citta 2000 rumhängen und dann ein Fick im Englischen Garten im Sommer waren mehr wert, als alles Geld dieser Welt. Heute ist meine sogenannte ‘Attraktivität’ leider den Weg alles Irdischen gegangen und auch mit meinem Charme ist es nicht mehr weit her, denn ich bin total aus der Übung.

Wer jetzt aber denkt, der Alte hängt noch immer ‘der guten alten Zeit nach’, hat keine Ahnung von mir. Ich bin nicht stehengeblieben in einer Zeitschleife, aber ich kann immer noch träumen, was vielen Menschen inzwischen leider durch Umstände, die sie nicht verursacht haben oder vielleicht doch, abhanden gekommen ist. Jetzt sitze ich wohl schon den 3. Tag an diesem Beitrag, aber solche Unterbrechungen sind mir inzwischen zur Gewohnheit geworden, ganz besonders, wenn die Damen Fußball spielen, wie jetzt während der WM. Ich bin jetzt schon seit 2003 Fan dieses Teams, seit Nia Künzer bei der WM in den USA das Siegtor köpfte. Jetzt habe ich bei der derzeitigen WM fast alle Spiele gesehen, wobei das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Nigeria mit seiner Brutalität und der katastrophalen Schiedsrichterleistung noch lange in meinem Kopf nachwirken wird. Jetzt schaue ich erst mal Deutschland:Japan weiter an.

Deutschland hat verloren, die Welt dreht sich weiter, ich sitze in meiner ‘Bude’ und übe mich in Geduld, denn wohin Ungeduld führt, hat mein Herzinfarkt gezeigt. Schlimm ist nur der Berg an Medikamenten, die ich jetzt nehmen muss, will ich weiter leben. Und ich werde meine Träume nicht einfach aufgeben, außerdem ist ‘Hollywood im Kopf’ auch immer wieder einfach nur geil.