Von Ekel-Gästen und sogenannten dienstbaren ‘Geistern’

Was macht für ein Hotelzimmer ein Preis von € 14.000 aus und dann wird einem Zimmermädchen ein Stundenlohn von € 8 für dessen Reinigung gezahlt? Und das auch noch mit Zeitvorgaben, die zum Teil noch nicht mal einzuhalten sind und damit den Stundenlohn automatisch verringern? Und sind es die Gäste, die solchen angeblichen Luxus mieten und sich dann benehmen wie die Axt im Walde und wie Drecksäue, nur weil sie sich dabei Dinge erlauben, die mit einer normal mittelmäßigen Kinderstube nicht vereinbar sind und ein normales Benehmen reine Glücksache zu sein scheint? Was unterscheidet wirklich im rein menschlichen Bereich arm und reich, den Diener vom Bedienten?

Ein Beitrag der Süddeutschen gibt einen winzigen Einblick in einen Arbeitsbereich, ohne den jeder Hotelbesitzer und -Direktor gar nicht auskommen kann, der aber an indische Parias erinnert, weil dieser Arbeitsbereich eigentlich nur von “Unberührbaren” beacktert wird, die auch noch menschlich wirklich mies behandelt werden.

Berufsalltag Zimmermädchen „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so tief sinken würde“

22.06.2011, 17:14 2011-06-22 17:14:06

Von Thorsten Schmitz

Sie werden von halbnackten Gästen beim Putzen beobachtet, beseitigen die Spuren von Sex-Orgien und wissen oft mehr über ihre Gäste, als denen lieb ist: Keiner kennt die Abgründe des Reichtums so gut wie die Zimmermädchen in Luxushotels. Drei Betroffene aus Berlin berichten.

Ana Feory sitzt in der Lobby eines Berliner Design-Hotels, schulterfreies T-Shirt mit Tigermotiv, sonnengebräuntes Dekolleté, schwarze Röhrenhose, neben ihr ein Rollkoffer, vor ihr ein Cappuccino. Sie wirkt wie eine Geschäftsfrau, fehlen nur Laptop und iPhone, aber dafür hat sie kein Geld. Auch der Cappuccino ist eine Ausnahme. Eine Übernachtung im Hotel kann sich Ana Feory nicht leisten. Zimmer und Suiten von insgesamt 17 Luxushotels hat sie in ihrem früheren Leben als Zimmermädchen mit dem Staubsauger in der Hand kennengelernt. Heute ist Feory 71 Jahre alt, sieht aber aus wie 50. „Die Bewegung beim Putzen hält jung“, sagt sie. Das ist ernst gemeint.

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Es ist eine Arbeit, die gemacht werden muss, die aber auch, gerade in Luxushotels entsprechend entlohnt werden sollte, so wie viele Dienstleistungen im allgemeinen. Die meisten dieser Leistungen werden wohl als selbstverständlich hingenommen von den Arbeitgebern und den Gästen, aber so mies honoriert, dass es im wahrsten Sinne des Wortes einer Sau graust. Man spricht nicht umsonst von dienstbaren Geistern, nur hat man es mit ganz normalen Menschen zu tun, die sich nur dadurch von anderen Menschen unterscheiden, dass sie immer wieder ihre Gäste für echte Drecksäue halten und die doch nicht nach außen sich anmerken lassen.

Natürlich wäre es für die Arbeitgeber in diesem Bereich von absolutem Vorteil, wenn es diese Geister in Wirklichkeit gäbe, unsichtbar und so nicht wahrnehmbar und dadurch auch noch kostenlos, dann könnte so manches Gesocks weiter die Sau rauslassen und niemand würde etwas bemerken.

Dickes Bankkonto und scheinbare Prominenz scheinen gutes Benehmen in bestimmten Bereichen des Lebens auszuschließen. Was mich etwas verwundert, dass sich offenbar für diese Arbeitnehmer besonders in Deutschland keine Gewerkschaft zu interessieren scheint und die meisten Arbeitnehmer vor Willkür völlig ungeschützt sind. Aber sie haben trotzdem eine Machtbasis, denn wenn sie sich unter sich selbst zusammenschließen, können sie Forderungen nach besserer Honorierung schon durchsetzen, nur müssen sie sich unter einander einig werden und auch bereit sein, Arbeitskämpfe durch zu fechten, denn sie sind eine große Zahl.

Wer den Dreck von anderen Menschen für Geld entsorgt, hat mehr verdient, als nur schlecht behandelt und dann auch noch schlecht bezahlt zu werden.

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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