Rein politische Entscheidungen zur Computer- und Datensicherheit – Wenn DAUs entscheiden

Es gibt inzwischen einen Beitrag, der so gut ist, dass er, wenigsten bei bestimmten Leuten aus dem Fach für Heulen und Zähneklappern sorgen wird und die sogenannte politische Elite und ihre sogenannten Experten gar nicht gut aussehen lassen.

Der Beitrag ist ziemlich umfangreich, aber auch für Nicht-Experten allemal lesenswert und auch niemals langweilig. Ich persönlich wäre froh, auch nur 10% dieses Wissens vorweisen zu können, dann wären bestimmte Aufgaben für mich nicht so kompliziert. Ich wünsche eine angenehme Zeit beim lesen.

Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Warum das neue Cyber-Abwehrzentrum der Bundesregierung so nicht funktioniert

16.6.2011 18:40

Ein paar kritische Anmerkungen.

Mit viel Tam-Tam und Presse hat die Bundesregierung – besonders Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, wobei der das aufgrund seiner kurzen Amtszeit nicht gebaut, sondern nur geerbt haben kann – das neue Cyber-Abwehrzentrum eröffnet. Überall in Presse und Rundfunk tönt es, wie gefährlich der Cyber-Krieg doch sei.

So funktioniert das nicht.

Grundsätzlich ist so ein Cyber-Abwehrzentrum keine schlechte Idee. Früher nannte man so was schlicht CERT (Computer Emergency Response Team), aber so eine Bezeichnung ist zu wenig presse- und öffentlichkeitstauglich, also muss eine windschnittig-dramatische Bezeichnung her, die auf den Schlagzeilen was bringt und die Regierung aktiv aussehen lässt. „Cyber-Abwehrzentrum” – schon der Name ist falsch, denn man will ja nicht die Computertechnik, sondern die Angriffe abwehren (obwohl die Politik der Bundesregierung der letzten Jahre durchaus eher den Eindruck vermittelt, die Computertechnik und das Internet selbst abwehren zu wollen). Da aber in letzter Zeit in Presse und Politik so viel vom „Cyber-War” die Rede war, scheint ein Großteil der Bevölkerung (und vielleicht der Politiker) das Wort „Cyber” mit böse, Hacker, Angriff zu assoziieren. Dabei meint es eigentlich nur Rechentechnik (vgl. „Kybernetik”) oder etymologisch exakter Steuerungstechnik. Bekannt wurde der Begriff auch durch Mainframe-Rechner der 70er und 80er Jahre wie die CDC Cyber und die Verwendung des Begriffs in Science-Fiction. Da wurde es dann auch zum Begriff Cyborg abgeleitet, der ein Mischwesen aus Maschine und Organismus bezeichnet. Erst seit aber von Politik und Presse soviel heiße Luft um die elektronische Kriegführung ventiliert wird und man ein dramatisches Buzz-Word brauchte, kam da der Cyber-War da öffentlich in Mode (wobei der Begriff wohl von Videospielen und Kinofilmen geprägt wurde). Inzwischen scheint „Cyber” zumindest in unserem Kulturkreis nicht mehr die Rechentechnik, sondern fiese Hacker, die unsichtbar böse Dinge tun und unser aller Daten klauen und die Stromnetze lahmlegen, zu bezeichnen. Weil sich der Begriff ja auch so schön künstlich, englisch und fies anhört, ohne irgendwas konkretes zu sagen. Dem normalen Bürger läuft dabei automatisch ein Schauer der Hilflosigkeit und Ausgeliefertheit gegenüber bösen russischen und chinesischen Mächten über den Rücken. Herrlich, um Politik zu machen.

Quelle: Hier der komplette Beitrag