Heute – ein besonderer Tag, speziell für meine Wenigkeit – der 17. Juni

Der heutige 17. Juni mit seinem Gedenken an den Volksaufstand war früher ‘der’ Tag, an dem Deutsche nicht nur frei hatten wegen eines Feiertags, er war Mahnung vor einem Faschismus, der sich mit neuem Gesicht und Namen immer noch in Deutschland breit zu machen suchte. An diesem Tag im Jahre 1953 fragte ich meinen Großvater, der ja 2 Weltkriege mitgemacht hatte und seine körperliche Gesundheit mit dem Verlust eines Armes und weiter Blessuren bezahlt hatte, was denn dort los sei, worauf er mir ein wenig von diesen Nazis erzählte, aber auch von den jetzigen Machthabern, die sich jetzt Kommunisten nannten und er erklärte mir, dass sich im Grunde nichts geändert hätte, denn schon allein die Uniformen und der Auftritt der Machthaber mit dem Militär zusammen sei alles von den Nazis abgeschaut, allein schon der Stechschritt beim Marschieren sei das beste Beispiel dafür. Mein Großvater war kein Nazi, er wurde nur von diesen damals als Kraftfahrer eingezogen, weil er den General, den er zu fahren hatte, auch noch persönlich kannte, schon vom 1. Weltkrieg her.

Da ich zu diesem Zeitpunkt erst 6 Jahre alt war, er aber wusste, wie er mir die Zusammenhänge erklären musste, bekam ich einen Einblick in menschliches Verhalten, dass ich mein Leben lang nie mehr vergessen konnte und auch heute noch meine Einstellung dazu bestimmt. Und mein Großvater konnte gottseidank gut erzählen und auch erklären und dadurch erfuhr ich auch, dass er mit seinem General immer an Fronten war, wo wirklich gekämpft wurde, er sich also nie auch nur in der Nähe von Gräueltaten, welche diese Nazis ja begangen hatten, aufhielt. Auch er hat erst verwundet in Gefangenschaft durch die Amerikaner davon erfahren. Da mein Großvater aus Breslau in Schlesien stammte und er erst in Jahre 1908 nach Wiesbaden kam, wo er meine Großmutter kennenlernte und heiratete, kannte er sich auch mit den polnischen Juden aus und er hatte überhaupt nichts gegen sie, denn er hatte in seiner Jugendzeit genug jüdische Freunde. Antisemitismus war ein absolutes Fremdwort für ihn und den lernte er erst mit dem Aufstieg der Nazis kennen und darum verachtete er solche Leute, denn er hielt die meisten, wie er mir erzählte, für richtige ‘Penner’ und Vollidioten, wie er sie mir gegenüber nannte, aber er sagte mir auch, dass er es nie öffentlich aussprach, denn vor diesen Kerlen hatte er wirklich Angst um sein Leben, was ich auch schon mit 6 Jahren begriff.

Als nun dieser 17. Juni da war und wir am Radio die Nachrichten ständig verfolgten, erklärte er mir dies alles und von ihm habe ich auch die Einstellung, dass es Menschen gibt die sich von menschlichen Menschen so stark unterschieden und die sich, weil sie mächtig oder stärker oder beides waren, oft aber auch sehr dämlich und dumm sind, dass man sich vor solchen Mensch in acht nehmen musste, denn sie waren und sind auch noch extrem brutal und scheuen auch nicht davor zurück, anders Denkende einfach umzubringen. Solche Lektionen habe ich mein Leben lang nicht mehr vergessen. Als zweite Lektion habe ich von ihm gelernt, dass gerade Menschen, die sehr viel Geld haben, oft genug zu diesen Mächtigen, aber auch Dämlichen gehören, denn sie sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht und bleiben gerne unter sich und verachten ehrliche Arbeiter und mein Großvater war sein ganzes Leben lang, außer seiner Militärzeit ein ehrlicher Arbeiter.

Das dieser Aufstand am 17. Juni 1953 überhaupt ausbrach, ist heute bis ins kleinste Detail aufgeklärt, aber schon seit diesem Tag weiß ich von meinem Großvater die Zusammenhänge des sogenannten Kommunismus mit den Nazis und dieses Wissen hat meine Einstellung zu diesen ‘Kackbraunen’ geprägt. Für meinen Großvater waren Kommunisten und Nazis in der damaligen Ostzone das gleiche Gesocks, nur mit unterschiedlichen Bezeichnungen und für ihn waren es einfach dumme Menschen, die nichts neues dazu lernen wollten und/oder konnten.