Uniform, Gehorsam und der Zapfenstreich

Wie war er doch berühmt und gefürchtet in der Welt, besonders im letzten Jahrhundert, der deutsche Soldat. Preußische Tugenden wurden allenthalben an den Militärakademien rund um den Globus gelehrt. Der Name Clausewitz ist ein Begriff überall auf der Welt. So wird auch heute noch Deutschland gesehen.

Die Gründung der Bundeswehr und die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik am 5. Mai 1955 führte zu erheblichen innenpolitischen Auseinandersetzungen, vor allem zwischen SPD und CDU über die Frage, ob es moralisch zu verantworten sei, dass Deutschland nach der Hitler-Diktatur jemals wieder über Streitkräfte verfügen sollte. Am 7. Juni 1955 wurde die Wehrverwaltung gegründet, am 12. November 1955 die ersten 101 Freiwilligen vereidigt.

Quelle

Es gab und gibt immer noch Menschen, welche diese sogenannten Tugenden begrüßen und sich gerne in solch einer Hierarchie unterordnen, aber sie sind heute nicht mehr so leicht zu finden, denn solche Hierarchien haben mit dem normalen Leben zum Beispiel in einem Arbeitsplatz nicht sehr viel gemeinsam. Auch ist es nicht jedermanns Sache, mit einer Waffe zu hantieren.

Hinzu kommt aber auch das heute gültige Erziehungskonzept verschiedener Elterngenerationen, die nach dem 2. Weltkrieg keine besondere Ambivalenz gegenüber dem Militär hatten und dies hat sich besonders in den 60er und 70er Jahren auch auf die nachfolgende Jugend übertragen. Der Krieg in Vietnam tat ein übriges.

Die heutige Jugend an Befehl und Gehorsam heran zu führen, bedarf heute ganz anderer Argumente als noch zu Kaiser Wilhelms Zeiten. Damals z.B. flogen die jungen Damen auf schnittige Soldaten in prächtigen Uniformen, die jungen Männer wurden quasi ‘genommen’, wenn sie gedient hatten und der Sold der Mannschafts-Dienstgrade war auch nicht gerade üppig, aber nach der Dienstzeit hatte man mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.

Heute und besonders mit den derzeitigen finanziellen Möglichkeiten des Staates müssen ganz andere ‘Argumente’ zum Einsatz kommen und dafür braucht es erst einmal viel Phantasie in den Köpfen der Politiker, was ich ihnen aber zum aller größten Teil einfach nicht zutraue.

18.05.2011

Bundeswehr-Reform

De Maizière schrumpft die Armee

Von Sebastian Fischer

Bundeswehrsoldaten bei einem Appell: Straffere Strukturen, kleinere Armee

dapd

Bundeswehrsoldaten bei einem Appell: Straffere Strukturen, kleinere Armee

Jetzt ist es amtlich: Nur noch maximal 185.000 Soldaten, mehr Kräfte für Auslandseinsätze, Stellenabbau im Ministerium – Verteidigungsminister de Maizière präsentiert seine Pläne für die Neuausrichtung der Bundeswehr.

Berlin – Es ist der größte Umbau seit Gründung der Bundeswehr vor 56 Jahren. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) präsentiert in Berlin seine Eckpunkte für die neue deutsche Armee. Kern der Reform: Die Truppe wird als Freiwilligenarmee deutlich verkleinert und professionalisiert, die Strukturen werden gestrafft. Und die Sparvorgaben fürs Wehr-Ressort sollen gelockert werden.

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Eine Freiwilligen-Armee, wie sie der Politik vorschwebt, ist nicht so einfach aus dem Hut zu zaubern. Schon das sogenannte ‘Menschenmaterial’ bedarf einer äußerst sorgfältigen Auswahl, Rambo-Typen sind da gar nicht gefragt. Schon allein die Werbung muss darauf abgestimmt sein und da haben wir schon den ersten Knackpunkt, denn Werbung kostet nun einmal Geld, aber auch die richtigen Werbe-Strategen. Der zweite Knackpunkt ist die physische und psychische Konstitution der Geworbenen, aber auch deren zukünftige Perspektiven, wenn sie wieder ausscheiden und sich im Zivilleben wieder zurecht finden müssen. Mit der heutigen Jugend wird das ein sehr schwieriges Unterfangen. Die Gesellschaft hat sich gegenüber den Anfängen der Bundeswehr erheblich verändert, was ja auch eigentlich normal ist, aber in dieser Situation der Politik, besonders heute, vor schier unlösbare Aufgaben stellt, denn auch die Politiker haben sich geändert, und zwar nicht immer zu ihrem Vorteil.

Das diese ‘neue’ Bundeswehr sich besonders im Ausland bewähren muss, geht ja schon aus dem Spiegelbericht hervor, dass sich diese Soldaten aber auch rein psychisch von Otto Normalo unterscheiden müssen, braucht hier nicht extra betont zu werden, denn sie werden ein besonderes Aushängeschild dieses Landes sein. Ballermann-Chaoten werden hier hoffentlich sehr schnell ausgesiebt, sonst sehe ich noch schwärzer als heute für dieses Land.

Ich selbst bin ein absoluter Gegner jeglichen Militärs, aber ich bin selbst in einer Bundeswehrfamilie aufgewachsen und habe daher einige, wenn auch nicht immer angenehme Erfahrungen, außerdem habe ich mich dadurch erfolgreich vom Wehrdienst ‘gedrückt’, nicht gerade zur Freude meines Stiefvaters.