Grandios gescheitert

Oh Felix Austria, ich gehe freiwillig wieder, so schnell mich meine Füße tragen.

Vier Wochen, zwei Österreicher mit mir auf engstem Raum und Rassismus und Diskriminierung in vielen Aussagen können schon ganz schön nachdenklich machen. Dabei war ich zu Beginn dieses neuen Abschnittes meines Lebens noch voller Enthusiasmus, die Aussicht auf einen Neuanfang, wenn auch mit 63, war wie eine Droge in meine Blutbahn geschossen.

Rassismus wird wohl hier schon mit der Muttermilch verabreicht, wer nicht Österreicher ist, zählt wohl nicht zur Spezies Mensch. Grundtenor: “Wer sich hier als Ausländer niederlassen will, egal aus welchem Grund auch, will sich nur auf unsere Kosten einen schönen Lenz machen.” Da frage ich mich einfach nur: “Was ist daran falsch?” Es gibt viele Wege, sein Leben glücklich und zufrieden zu gestalten, nicht alle sind legal und sauber, aber nichts desto weniger möglich. Und die meisten, die sich in einem fremden Land niederlassen ‘wollen’, sind in ihrem eigenen Land auch gescheitert, müssen aber nicht zwangsläufig in der neuen ‘Heimat’ das Gleiche erleben.

Auch neues Denken und Handeln wird durch ‘Zugereiste’ transportiert und nicht nur zum Nachteil der Alteingesessenen. Aber Mauern im Kopf sind mit am schwersten zu überwinden.

Immer wieder stelle ich mir zur Zeit die Frage, wie solch ein Rassismus sich mit der Tatsache verträgt, dass Österreich eigentlich ein Land ist, dass zum großen Teil vom Tourismus lebt. Natürlich werden jetzt viele sagen, Geld stinkt ja bekanntlich nicht, aber diese Erklärung wäre mir dann doch zu einfach. Auch der Hinweis, dass sich dieses Land 1938 fast bedingungslos dem kackbraunen Terror angeschlossen hat, ist meiner Meinung nach zu kurz gegriffen. Jetzt denke ich erst einmal, ich bin doch einfach zu ungebildet, um diesem Phänomen schnell und umfassend auf die Spur zu kommen, denn ich denke, dass man dazu schon eine Soziologie-Ausbildung braucht, die ich mit Volksschulabschluss natürlich nicht habe, um dies zu begreifen.

Und jetzt habe ich Österreich verlassen und bin im schönen Bayern in Passau gelandet. Da es schon nach 12 Uhr Mittag bei der Ankunft war, konnte ich mich natürlich drauf verlassen, die Ämter und Behörden geschlossen vorzufinden, Deutschland wie gehabt. Aber die allgemeine Freundlichkeit der Menschen hier ist doch mehr als erfreulich, wenn man was fragt, bekommt man meist sofort eine freundliche Antwort und auch kniffelige Probleme werden ohne den üblichen Grant der Bayern angegangen. Hinzu kommt natürlich heute auch noch das vorzügliche Wetter.

Und wieder werde ich von vorne anfangen, aber durch das Internet, welches ich mir außer einer Wohnung noch zulegen muss, wird Euer Schreiberling bald wieder mit allem, was wichtig ist, verbunden sein. Wichtig für heute ist nur ein HotSpot, was sich aber als nicht ganz problemlos herausstellt, denn McDonalds, welcher oft kostenlose HotSpots hat, ist mit diesem Service in Passau nicht vertreten. Armes Internetzeitalter. Durch fragen und auch rumlatschen, endlich was gefunden, sonst könnte diesen Text heute niemand mehr lesen.

Das Saarland und Neunkirchen ist Geschichte für mich, Österreich wird mich nicht wiedersehen – Passau, pass auf, ich werde kein Bequemer sein. Meine Zeit hat Grenzen (allein durch mein Alter) und ich werde bei bestimmten Dingen heute nicht mehr diskutieren und meine Rechte, die mir zustehen, einfordern. Ansonsten heißt es für meine Mitmenschen und mich selbst: ‘Leben und Leben lassen.’

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

8 Kommentare

  1. Deine, in kurzem Zeitraum, Erlebnisse zwischen Saarland und Steiermark finde ich ja echt krass. Nein, nichts gegen Haustiere. Bei mir ist das alles wie in der Kaffeewerbung:Isch habe doch gar keine Haustiere. Dafür sind wir Alten noch nicht sicher genug, was den wünschenswerten Altersruhesitz betrifft. Und das möchte ich auch einem Katzerl net antun.

    Hausordnung? Gibt es bei mir nur eine ungeschriebene Gesetzesmässigkeit: Leben lassen … .

    In eigener Sache durfte ich eine Weile, abgesehen von den zurückliegenden Behördenschlachtfeldern, ein pazifistisches Leben fristen. Das könnte sich in absehbarer Zeit ändern und auch mir die Wanderstiefel einbringen. Im Alter lässt die Mobilität bei manchen Menschen dann doch etwas nach. Um so mehr erfreut es mich über deine weiterhin agile Umtriebigkeit zu lesen. Das wirkliche Altern zeigt sich erst dann, wenn der Mensch sich den örtlichen Zwängern zwangsweise unterwirft und nur noch mit dem Finger auf der Landkarte, pardon, auf Google Maps seine menschliche Freiheit auslebt.

    Das mit den Hotspots ist eine gute Alternative, wenn es mal eng wird. Oh, dazu fehlt mir derzeit noch das passende Schlepptop. Werde bei kommenden Investitionen dran denken. Wenn diese Dinger bloß nicht so teuer wären.

    Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Franzerls Kaiserreich sind mir vor viele Jahren leibhaftigt begegnet. In einer wunderschönen Uferstadt oberhalb des Mondsees saßen wir im Restaurant. Alles um uns herum wurde prompt bedient. Als nach über 30 Minuten sogar nach uns eingetrudelte Gäste bereits mampften, sprach ich die Bedienung freundlich an. Worauf diese mich und meine Begleiter weiterhin ignorierte. Am Attersee endete die österreichische Ignoranz und wir durften endlich unsere Schillinge loswerden. Der Gastwirt bedauerte die fremdenfeindlichen Landsleute in den Bergen und versicherte uns, daß nicht alle Österreicher in der Vergangenheit leben. Dafür mundete sein frischer Apfelstrudel samt großen Braunen ( eine unpolitsche sehr grosse Tasse Kaffe) um so besser.

    Leben und leben lassen …. ein gutes Motto, welches ich dir für jeden Tag deines Lebens wünsche. Das „Leben lassen“ können wir vom Alter her sicherlich ruhiger angehen und überlassen die Hektik den anderen. Wenn man uns das Leben auch so gelassen lassen ließe, wäre ich eine ganze Spur ruhiger. Dein Ortswechsel, weg vom austrianischen Kaiserreich, zurück in die deutschen Niederungen zwischen liberaler und konservativer Lebensweise, soll dir jetzt eine Erholungspause bescheren.

    Gescheitert? Keineswegs! Reicher um die erneute Erkenntnis, es gibt noch Auswege und stets neue Wege. Gerade im besagten Alter eine gute Nachricht.

    Ich wünsche dir vor allem Menschen in deiner Wohnumgebung, die einfach mal Mensch bleiben und die Axt im Walde lassen. Das erspart bekanntlich den Zimmermann im Hause.

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