Denker, die die Welt erklären?

Wir hatten sie gehabt, die großen Namen in der Philosophie, die Namen sind geblieben und auch die vielen Erklärungen, für dass, was auf der Welt geschah und noch geschieht.

Aber viele von ihnen haben sich auch der Macht untergeordnet und den Mächtigen noch mehr Werkzeuge für deren Ausübung in die Hand gegeben. Für mich ist Philosophie nicht einfach nur ein Überdenken des Gewesenen mit anschließenden Gebrauchshinweisen für eine unsichere Zukunft. Dafür sind diese Denker doch einfach zu unterschiedlich. Man überlege bitte nur einmal folgende Situation: Ein Käufer steht in einem Computerladen vor ziemlich vielen unterschiedlichen Marken und ihm fällt dazu jetzt ein, von mindestens sechs Marken nur allein die Bedienungsanleitung zu lesen, um für sich die für ihn beste Marke zu erkennen. Sechs Marken, von sechs unterschiedlichen Übersetzungsprogrammen bearbeitet und er versteht eigentlich nur noch ‘Bahnhof’. So kann es einem unbedarften Leser von Philosophen auch ergehen und ich kann schon die vielen Fragezeichen imaginär aus seinem Kopf in die Sphären des Himmels aufsteigen sehen.

26.03.2011

S.P.O.N. – Fragen Sie Frau Sibylle

Wo sind unsere Weisen geblieben?

Von Sibylle Berg

Wer verliert sich nicht manchmal in seinem Leben, wer braucht nicht manchmal einen Denker, der einem die Welt erklärt? Aber wer sollte das sein? Welcher lebende deutsche Philosoph hilft da weiter? Vermutlich ist die Zeit der großen Köpfe einfach vorbei.

Deutschland ist angenehm befreit von Philosophen und schwebt unbehelligt vom Einfluss jeglicher visionärer Gedanken in einem bräsigen Mediennebel. Wir überlassen das Feld der Vordenker Fernsehmoderatoren und Comedians, die intellektuellen Debatten vornehmlich Journalisten. Hören Sie, wir haben keine Zeit, um über irgendetwas nachzudenken, wir müssen agieren, online sein! Wir müssen Überschriften lesen und uns vernetzen.

Quelle: Hier weiterlesen

Große Denker waren für mich persönlich auch immer gleichzeitig Handwerker und Künstler, immer mit Bezug zur Realität. Da Vinci und Galilei waren, wie man heute so schön sagt, Macher, keine ausschließlichen Gehirnakrobaten. Und Sie waren, im großen gesehen, nicht korrumpierbar.

Wenn mich persönlich jemand fragt, wovon ich lebe und was ich verdiene, wenn ich schreibe, werde ich immer wieder nur sagen können, ich schreibe, weil ich will und für die leiblichen Bedürfnisse habe ich ein winziges Auskommen, dass ich aber immerhin erarbeitet habe und dass mir nach dem Gesetz zusteht. Ist dass Unabhängigkeit genug? Dass ich auch körperlich nicht mehr in der Lage bin, produktiv zu sein, stört dabei nur marginal, denn mein Kopf funktioniert noch hervorragend und eine Computertastatur verzeiht mir vieles. Außerdem bin ich kein großer Denker, geschweige denn ein Philosoph, diese Lorbeeren und Titel überlasse ich denjenigen, die solche Äußerlichkeiten für ihr Ego brauchen. Aber ich kann meine Gedanken, die sich aus der Realität entwickeln, immerhin aufschreiben und ich denke, es gibt auch einige Menschen, die damit was anfangen können.

Wenn ich persönlich also die reinen, auch durch Ausbildung und Bildung geschulten Denker nicht besonders vermisse, so hat dies doch niemals einen direkten Bezug darauf, dass es sie nicht geben sollte, aber das Internet gibt heute vielen Denkern die Möglichkeit, sich frei zu entfalten und auch mit kleinem Applaus, wenn auch nicht mit Einnahmen, ihre Bestätigung zu finden.