Das ‚Einvernehmen‘ in Parteien

Wie oft liest man in den Medien, wie gut das Zusammenspiel zwischen unterschiedlichen Parteien und Ideologien doch funktioniert und doch hat der Bürger und Wähler halt immer wieder den Eindruck, dass da was nicht stimmt. Solch ein Einvernehmen hat garantiert auch einen Nebeneffekt oder auch einen Haken, wie man im Volksmund sagt.

In der neuen, asozialen, postdemokratischen Gesellschaftsordnung, in der Parteifürsten die kümmerlichen formalen Reste der Demokratie präsentieren, gibt es andere Wege, gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen: die Lobbyarbeit. Hören wir fast jeden Tag: “Sieg der Pharmalobby”, “Sieg der Ärztelobby”, “Sieg der Bankenlobby”, “Sieg der Baulobby” … und Verlierer ist immer der Bürger. Die gezielt gewachsenen Parteienfilter sorgen schon dafür, das nur lobbykompatible Politiker in entscheidende Posten gelangen und dafür dann nach dem Ende der für alle Beteiligten fruchtbaren Amtszeit in fürstlich entlohnte Pöstchen hineinwachsen, für deren Aufgabenspektrum sie eigentlich überhaupt nicht geeignet sind.

Wie kann man also in diesem System wirklich “richtig was tun” – wenn man gerade keine Kriegswaffen vom Schwarzmarkt geliefert bekommt?

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Die Unterschiede sind inzwischen unter den etablierten sogenannten Volksparteien so minimal, dass man ganz locker den Eindruck bekommen kann: „Wer soll hier eigentlich verarscht werden?“ Die Antwort kann eigentlich nur noch sein: „Die, welche regiert werden (sollen)“. Insofern entsteht dann ganz leicht der Eindruck einer allumfassenden Verschwörung zu Lasten des Einzelnen Bürgers und Wählers. Wenn es nur so einfach wäre, könnte man sich dann aber auch wehren; wäre da nicht der ach so bequeme Mensch, der auch noch an das Gute im anderen Menschen glaubt bzw. der sich erst gar nicht um die wirklichen Zusammenhänge schert.

Natürlich werden besonders im Internet- und Blogger-Zeitalter solche Verschwörungstheorien oft und gerne bis zum Abwinken breitgetreten und gepflegt. Ist ja auch einfacher, denn man hat die Schuldigen der eigenen Misere ja schnell entlarven können und braucht nicht länger weiter nachzudenken. Nur für mich persönlich wäre es einfach zu simpel, denn Gesellschaften und unter ihnen auch diese Zusammenschlüsse, die wir als Parteien kennen, funktionieren nun einmal viel komplizierter, sodass es beim Überdenken solcher Situationen oft zu Knoten im Hirn kommt.

Natürlich sind Posten und Pöstchen in Parteien ein wichtiger Aspekt für einzelne Mitglieder, denn das Ego des Einzelnen muss man einfach als gegeben hinnehmen. Dazu kommt natürlich auch noch die Gier des Menschen. Wenn es allein nur die Neugier wäre, könnte jeder von uns ganz locker damit leben. Doch so ist es nun mal nicht, denn die stinknormale Gier steckt einfach in jedem von uns Menschen und wenn es einen Gott gibt, dann ist dies eine seiner schlimmsten Fehlkonstruktionen.

Wer aber jetzt hier mal auf die Schnelle aus diesem Beitrag Antworten erwartet, den muss ich fürchterlich enttäuschen. Als ich den obigen Beitrag in der ZEIT fand, wusste ich nur, dass mich dieses Thema schon seit langer Zeit beschäftigt, aber wirkliche Antworten habe ich bis heute nicht gefunden. Auch ich selbst kaue bei solchen Themen auf den Felgen, denn für umfassende Antworten dieser Art fehlt mir offensichtlich das nötige Hirnschmalz. Aber auf eines bin ich jetzt trotzdem Stolz; ich habe mich immerhin an solch ein Thema gewagt und konnte mich als Dussel outen. Auch sowas kostet Überwindung.