Tödliche Kredite und Zinsen

41 Prozent Wucherzins auf Mikrokredite für arme Menschen in Indien

Einhundertsechzig Euro lieh sich eine Familie in Indien für ein Baumwollfeld. Trotz eigener Bedenken fühlte sich das junge Ehpaar durch den Banker ermutigt Die Ernte fiel schlecht aus, die Bänker forderten dennoch den exorbitanten Wucherzins beim Schuldner ein. Der Ehemann und zweifacher Vater verließ eines Morgens das Haus und erhängte sich an einem Mangobaum. Für Europäer mag der Schuldbetrag in Höhe von 160 Euro kein Grund zum Selbstmord sein. In Ländern wie Indien bedeutet 1 Euro Tagesverdienst auf dem Feld viel Geld. Mehr bekommt die Witwe für einen gelegentlichen Job nicht, um ihre zwei Kinder durchzubringen.

Während in Deutschland Teile der Wirtschaft bereits wieder Morgenluft wittern, treiben die Banken weltweit ihr teils tödliches Spiel der Zinsen und Zinseszinsen. Erneut gerät die Zinseszinsfalle besonders für arme Menschen ins Fadenkreuz. In Folge der zusammengebrochenen Finanzkreditblase Amerikas verloren unzählige Menschen in den Vereinigten Staaten ihr Heim. Die Armut in den USA steigt weiter an. Ähnliches ist in Deutschland unschwer zu beobachten.

Der Tod des indischen Familienvaters verdeutlicht die mörderische Buchgeldwert Philosophie der internationalen Bankenherrschaft. Eine der vielen Fragen dazu:

Wer schützt arme Menschen vor den Machenschaften der Finanzwelt und den Wucherzinsen der Banken?

Der einst als Wunderwaffe gegen Armut glorifizierte Mikrokredit gerät in Indien unter öffentliche Beschuß. Politik und Bankenwelt scheuen sich keineswegs selbst mit der Armut an Börsen Geld zu scheffeln. Dabei trug der Kleinkredit zur Verbesserung der existenziell schlecht gestellten Menschen bei. Wenn da nicht die brutalen Ausbeutung wäre. 20 Prozent Zinsen seien keine Seltenheit. Der tragische Selbstmord in Indien fußte teils gar auf über 40 Prozent Wucherzinsen.

Fazit:
Wie bisher darf diese Zinseszinsfalle der Bankenwelt nicht mehr geduldet werden. Politisches Unvermögen lässt dem Bankenwucher extrem großen Freiraum. Der Schutz von armen Menschen weltweit gehört zur Chefsache aller Regierungen.

Wenn nicht jetzt, wann dann?


Quellen und weiter Infos:
Mieses Spiel mit Mikrokrediten – tagesschau.de (Videobericht) 30.01.2011

Ein Wundermittel unter Beschuss – NZZ am Sonntag 16.01.2011