Die Angst sitzt tief in den Knochen

Sie sind hochgebildet und doch arbeitslos. Sie gehören eigentlich zur Elite dieses Landes und landen doch im Stigma Hartz IV. Ihr Burn-Out beginnt mit der Exmatrikulation und ihr restlicher Lebensweg ist von dieser Ungerechtigkeit vorgezeichnet. Eine ‚freie‘ Berufswahl, wie im Grundgesetz garantiert, ist mit der Einführung der Hartz-Gesetze ad acta gelegt worden.

Arbeitslose Akademiker Eine Krise, die fürs Leben prägt

Viele Geisteswissenschaftler beenden ihr Studium mit dem Antrag auf Hartz IV. Was macht das eigentlich mit ihnen?

© Stefan Thomas Kröger

Marcel Faska musste nach seinem Abschluss ein Jahr kämpfen, bis er endlich einen Job hatte

Marcel Faska musste nach seinem Abschluss ein Jahr kämpfen, bis er endlich einen Job hatte

Eigentlich hätte Anna feiern müssen. Da hielt sie endlich ihr Abschlusszeugnis in der Hand, nach all den Prüfungen und dem langen Schreiben an ihrer Abschlussarbeit über Pierre Bourdieu und die feministische Kunst. Ein Magister in Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität, überall beste Noten. Eigentlich hätte sie eine Flasche Champagner öffnen müssen und dann tanzen gehen. Doch stattdessen fuhr Anna ins Jobcenter Berlin-Pankow. Das Zeugnis noch in der Tasche, füllte sie Dutzende Formulare aus und reihte sich ein in die Schlange: Hartz IV. An Champagner war nicht zu denken.

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Wenn unsere Geistes-Elite weiter so stiefmütterlich von der Politik behandelt wird, dann wird nicht nur Deutschland, dann wird die Welt ärmer und auch dümmer. Aber vielleicht ist es ja gerade so gewollt von der Politik, denn Dumm lässt sich wohl leichter gängeln. Die jetzt arbeitslosen Geisteswissenschaftler gehören ja auch nicht gerade zur aufmüpfigen Generation, die um ihre Rechte, auch der Grundrechte kämpft. Sie haben wohl vieles und viel gelernt, sind aber mit Durchsetzungsvermögen nicht gerade gesegnet. Auch vermisse ich immer wieder das Hinzuziehen der Möglichkeiten der Vernetzung.

Dabei spreche ich nicht von Vernetzungen durch das Internet, sondern von den Netzwerken, wie sie früher funktionierten, bevor an das Internet überhaupt gedacht wurde. Heute im digitalen Zeitalter sind die Möglichkeiten aber noch vielfältiger und doch werden sie nur unzureichend genutzt. Auch das Auftreten bei Behörden wird von vielen als Bittsteller durchgeführt, statt sich vorher über ihre eigenen Rechte klar zu werden. Noch gilt in diesem Staat das Grundgesetz. Rechte muss man auch einfordern.

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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