Wertegemeinschaft? Leitkultur? Oder doch nur dämlicher Patriotismus?

Gemeinschaften geben sich Werte und können doch so blind gegenüber der Toleranz sein. Schon einmal hat Patriotismus in Deutschland verheerende Folgen gehabt, denn für diese Folgen mussten Menschen sterben. Und es sterben immer Menschen, wenn Patrioten ‘marschieren’. Der Mensch und seine Vielfalt passt niemals ins ‘Weltbild’ von Patrioten und dies bezieht sich nicht allein auf Deutschland, dieses Denken ist global, aber damit noch lange kein Naturgesetz, was man bekanntlich nicht ändern kann.

Leitkulturdebatte

Die neuen Feinde

Das Gerede von der “christlich-jüdischen Leitkultur” schürt den Fremdenhass.

© Rainer Jensen/ dpa

Die Deutschen, sagte Friedrich Nietzsche einmal, müssen sich ständig fragen: »Was ist deutsch?« Sie können nicht anders, und bis zum Ende ihrer Tage werden sie es immer wieder tun. Diesmal hat es der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer getan, er hat sich auf die Kanzel gestellt und die deutsche Leitkultur gepredigt. Kaum war es ausgesprochen, eilten Ministranten herbei und stellten in pontifikaler Pracht eine Monstranz mit »christlich-jüdischen Werten« auf den Hochaltar. Aus den Weihrauchschwaden meldete sich die Kanzlerin und rief freudig ein »So sei es!«. Zum Glück, könnte man sagen, ist der Hokuspokus bald vorüber. Dann öffnen sich die Kirchenflügel, die Gläubigen strömen ins Freie, und jeder sündigt wieder, so gut er kann.

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Es ist übrigends nicht besonders verwunderlich, wenn Religionsgemeinschaften ‘Andersglaubende’ als Feinde ansehen, denn sie könnten ja ‘besser Glaubende’ mit ‘ihrer’ Religion sein und die eigene Klientel abwerben, denn Religion und Glaube sind auch im Konkurrenzkampf verhaftet. Darum harmonieren oft genug Wirtschaft und Religion aufs Trefflichste. Und der gemeinsame Nenner sind die Finanzen. Und der ‘Wert’ ist der Mammon.