S21 – die Chronik des ersten Tages und die Medien

Stuttgart-21-Chronik

+++Gespräche enden hinter verschlossenen Türen+++

„So eine Form der Schlichtung hat es noch nie gegeben“, versprach Vermittler Heiner Geißler vorab. Die Verhandlungen zwischen Befürwortern und Gegnern des Bahnprojekts sollten komplett öffentlich sein. Ganz am Ende zog man sich aber doch noch einmal zurück. Ein Rückblick im Minutentakt. von David Böcking und Simon Schäfer

 

17:03 Beinahe hätte Geißler sein Schlusswort vergessen. „Ich schließe die Sitzung“, murmelt er. Dann springt er auf, um zur Pressekonferenz zu eilen.

17:01 „Das Fernsehen hat wahrscheinlich schon abgeschaltet“, sagt Geißler. Hat es nicht. Phoenix ist noch drauf.

16:58 Auch wenn Geißler immer wieder Wert auf die öffentliche Verhandlung legt – ganz zum Schluss verfällt er doch noch in alte Gewohnheiten: Im Anschluss an die Pressekonferenz will er mit den Verhandlungsführern beider Seiten noch einmal in einem Nebenraum sprechen – ohne Kameras.

16:57 Geißler auf der Zielgraden. „Ich glaube, wir haben es bewältigt“, sagt der Schlichter. Die Diskussion sei ganz gut gewesen, aber beim nächsten Mal müsse es noch besser werden. Kein Fachchinesisch, fordert Geißler zum wiederholten Mal. Sonst könne man sich die öffentliche Diskussion auch sparen.

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Stuttgart 21 Schlichtung ohne Aussicht

22.10.2010, 17:54

Von Martin Kotynek, Stuttgart

Vor laufenden Kameras versucht Heiner Geißler im Streit um den Bahnhofs-Neubau zu vermitteln. Und tatsächlich: Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 reden. Aber sie reden nicht miteinander, sondern nebeneinander her: ein Schaukampf.

Es war eine Premiere ohne Generalprobe, ein Experiment vor laufender Kamera. Heiner Geißler schlichtet live, er versucht, im Streit um Stuttgart 21 zu vermitteln. Und eines ist ihm dabei gelungen: Befürworter und Gegner reden. Zwar reden sie nicht miteinander, sondern nebeneinander her. Und sie sagen dabei auch nicht viel. Aber Vertreter beider Seiten sitzen im Rathaus an einem Tisch, sie halten zivilisierte Reden, sie zeigen Powerpoint-Folien, sie rufen Experten auf. Bedenkt man, wie gewaltsam der Konflikt noch Ende September eskaliert ist, dann ist das fast eine Sensation.

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Schlichtung

Stuttgart muss noch üben

Das Schlichtungsgespräch zu S21 ist ein großes Experiment in Sachen Bürgerbeteiligung. Es könnte funktionieren – wenn die Fülle der Details den Bürger nicht überfordert.

© Bernd Weißbrod/dpa

Vor Beginn der Schlichtungsgespräche wird der Vermittler Heiner Geißler von Kameras umringt

Vor Beginn der Schlichtungsgespräche wird der Vermittler Heiner Geißler von Kameras umringt

Die öffentliche Schlichtung im Konflikt um Stuttgart 21 könnte ein Beispiel geben für eine neue Form politischer Beteiligung, hatte Heiner Geißler vor der im Internet und Fernsehen übertragenen Debatte gesagt. Er jedenfalls wolle „die Bürger in die Lage versetzen, jederzeit selbstständig zu denken“. Frei nach den Prinzipien der Aufklärung und des Philosophen Immanuel Kant bekämen die Zuschauer alle Fakten auf den Tisch gelegt und könnten sich dann ein eigenes Bild zum Konflikt rund um den Bahnhofsneubau machen.

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19:00|

Schlichtung

Grüner Profi punktet gegen spröden Bahnvorstand

 

Die Technokraten der Bahn blieben blass. Gegen die wortgewandten Gegner von Stuttgart 21 konnten die Befürworter nicht viel ausrichten.

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Über den Autor

AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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